Nach Tagen intensiver Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah scheint eine fragile Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon vorerst zu halten. Am Freitagmorgen begannen tausende Menschen, in ihre Heimatorte im Süden des Libanon zurückzukehren – oft ohne zu wissen, ob ihre Häuser noch stehen. In vielen Orten bot sich den Rückkehrern ein Bild der Verwüstung. Im südlibanesischen Dorf Jibsheet fanden Bewohner zerstörte Wohnhäuser, Straßen voller Betontrümmer und heruntergerissene Stromleitungen vor. Die 23-jährige Zainab Fahas gehörte zu den ersten, die zurückkehrten. „Ich fühle mich frei, wieder hier zu sein“, sagte sie. „Aber sie haben alles zerstört – den Platz, die Häuser, die Geschäfte.“
Rückkehr in eine zerstörte Heimat
Auch in den südlichen Vororten von Beirut kehrten Menschen in ihre Viertel zurück. In Haret Hreik stand der 48-jährige Ahmad Lahham auf den Trümmern seines früheren Wohnhauses, in dem sich auch eine Filiale der Hisbollah-nahen Finanzorganisation Al-Qard Al-Hassan befand. Während einige Bewohner ihre Rückkehr feierten, herrscht vielerorts Unsicherheit. Der Bewohner Ali Hamza berichtete, dass sein Gebäude zwar noch stehe – dennoch sei eine Rückkehr schwierig.
„Viele Menschen haben Angst zurückzukommen“, sagte er. „Unter diesen Umständen kann man hier kaum leben.“Neben den zerstörten Häusern sind es auch Gerüche von Rauch, Staub und verbranntem Material, die viele Bewohner davon abhalten, sofort wieder einzuziehen.
Improvisierte Brücken und kilometerlange Staus
Besonders sichtbar wurde das Ausmaß der Zerstörung an der Qasmiyeh-Brücke über den Litani-Fluss. Israel hatte während der Kämpfe sämtliche Brücken über den Fluss zerstört, um Nachschubwege der Hisbollah zu unterbrechen. Am Freitagmorgen versuchte die libanesische Armee, mit Bulldozern eine provisorische Passage durch den Bombenkrater zu schaffen.
Kaum war die improvisierte Strecke passierbar, setzten sich Motorräder und Autos in Bewegung. Viele Fahrzeuge waren mit Matratzen, Küchenutensilien und Decken beladen – ein Zeichen dafür, dass zahlreiche Familien auf eine längere Rückkehr vorbereitet sind. Schon am Vormittag staute sich der Verkehr kilometerweit zwischen den Städten Sidon und Tyre.
„Wir werden unser Land nicht wieder verlassen“
Für viele Rückkehrer ist die Rückkehr auch ein symbolischer Akt. Ghufran Hamzeh wartete mit ihrem Sohn an der provisorischen Brücke, nachdem sie aus Beirut angereist war.„Als wir geflohen sind, haben wir 16 Stunden auf der Straße gebraucht – heute ist es genauso“, sagte sie. „Aber das ist egal. Wichtig ist, dass wir zu unserem Dorf zurückkehren.“ Ob ihr Haus noch steht, weiß sie nicht. „Wenn es zerstört ist, ändert das nichts“, sagte sie. „Dann stelle ich ein Zelt davor auf und bleibe.“
Fragile Waffenruhe – politische Spannungen bleiben
Die Waffenruhe wurde am Donnerstag von US-Präsident Donald Trump bekanntgegeben. Sie soll zunächst zehn Tage gelten und könnte den Weg für weitere Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon ebnen. Innerhalb des Libanon ist die Rolle der Hisbollah jedoch stark umstritten. Die Regierung in Beirut steht seit Monaten im Konflikt mit der vom Iran unterstützten Miliz und fordert deren Entwaffnung.
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte unterdessen, Israel habe einem vollständigen Abzug seiner Truppen aus dem Südlibanon nicht zugestimmt. Stattdessen plane Israel eine umfassende Sicherheitszone entlang der Grenze. Die Hisbollah wiederum erklärte, ein Waffenstillstand könne nur Bestand haben, wenn israelische Truppen sich vollständig aus dem libanesischen Territorium zurückziehen.
Zwischen Hoffnung und Unsicherheit
In der schwer beschädigten Stadt Nabatieh kehrten einige Bewohner entschlossen zurück – andere entschieden sich bereits wieder zur Flucht. „Hier ist alles zerstört. Man kann hier nicht leben“, sagte Fadel Badreddine, der mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn zurückgekehrt war. „Wir nehmen unsere Sachen und gehen wieder.“ Für viele Familien bleibt daher vorerst nur eine Hoffnung: dass aus der fragilen Waffenruhe ein dauerhafter Frieden wird.








