Brandanschlag auf Synagoge in Rotterdam – Vier Jugendliche festgenommen

Der Hafen in Rotterdam
Lesezeit: 3 Minuten

In der niederländischen Hafenstadt Rotterdam ist es in der Nacht zu Freitag zu einem Brandanschlag auf eine Synagoge gekommen. Die Polizei nahm im Zusammenhang mit dem Vorfall vier Jugendliche fest. Der Angriff reiht sich in eine Serie antisemitischer Vorfälle gegen jüdische Einrichtungen ein und sorgt europaweit für Besorgnis.

Nach Angaben der Polizei ereignete sich der Vorfall gegen 3:40 Uhr morgens. Ein Feuer am Eingang der Synagoge löste eine Explosion aus, die die Eingangstür und Teile der Fassade beschädigte. Fotos vom Tatort zeigen deutliche Schäden am Eingangsbereich des Gebäudes. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, und das Feuer erlosch nach kurzer Zeit von selbst.

Im Laufe des Tages veröffentlichte die Polizei eine Beschreibung der mutmaßlichen Täter. Kurz darauf fiel Einsatzkräften in der Nähe einer weiteren Synagoge ein Auto auf, das nach Angaben der Polizei „auffällig und unsicher“ unterwegs war. Als die Beamten das Fahrzeug stoppten, stellten sie fest, dass der Fahrer der zuvor veröffentlichten Beschreibung entsprach.

Daraufhin wurden vier Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren aus Tilburg festgenommen, einer Stadt etwa eine Autostunde von Rotterdam entfernt. Die Polizei teilte mit, dass derzeit eine umfangreiche Untersuchung läuft. Noch sei unklar, ob die Gruppe möglicherweise weitere Anschläge geplant habe.

Kurz nach dem Angriff veröffentlichte eine bislang kaum bekannte Gruppierung mit dem Namen Islamic Movement of the Companions of the Right (IMCR) ein Video in sozialen Netzwerken, in dem sie die Verantwortung für den Anschlag in Rotterdam übernahm. Die Gruppe behauptete außerdem, bereits Anfang der Woche eine Synagoge im belgischen Lüttich (Liège) angegriffen zu haben. Auch ein angeblicher Angriff auf einen „zionistischen“ Gegner in Griechenland wurde in dem Video erwähnt – ein Vorfall, der bislang jedoch nicht bestätigt werden konnte.

Ermittler prüfen derzeit sowohl die Echtheit der Videos als auch mögliche Verbindungen zwischen den verschiedenen Vorfällen. Beobachter weisen darauf hin, dass die Videos zunächst auf Kanälen verbreitet wurden, die mit Netzwerken extremistischer Gruppen mit Verbindungen zum Iran in Verbindung gebracht werden.

Der European Jewish Congress äußerte sich nach dem Angriff besorgt über eine mögliche Serie koordinierter Angriffe auf jüdische Einrichtungen in Europa. Sollte sich eine Verbindung bestätigen, wäre der Anschlag in Rotterdam bereits der dritte Angriff auf eine jüdische Institution in Europa innerhalb weniger Tage.

Der Brandanschlag ereignete sich zudem nur wenige Stunden nach einem Angriff auf eine Synagoge im US-Bundesstaat Michigan, bei dem ein Mann aus dem Libanon beteiligt gewesen sein soll. In der vergangenen Woche wurden außerdem drei Synagogen im kanadischen Toronto beschossen. Festnahmen gab es in diesen Fällen bislang nicht.

Rotterdams Bürgermeisterin Carola Schouten verurteilte den Angriff scharf. In einer Stellungnahme erklärte sie, dass Antisemitismus, Einschüchterung und Gewalt gegen religiöse Gemeinschaften in ihrer Stadt keinen Platz hätten.

Auch Vertreter der jüdischen Gemeinschaft reagierten mit großer Sorge. Chanan Hertzberger, Vorsitzender des Zentralen Jüdischen Rates der Niederlande, erklärte, der Angriff sei eine erschreckende Entwicklung.

„Dies ist die physische Manifestation von Antisemitismus: Nach Worten und Drohungen folgen nun Taten“, sagte er.

Der Vorsitzende der betroffenen Synagoge, Chris den Hoedt, zeigte im niederländischen Fernsehen die Schäden am Gebäude. Der materielle Schaden könne repariert werden, sagte er – doch die emotionalen Folgen für die Gemeinde seien deutlich größer.

„Das hier ist nur materieller Schaden“, erklärte er mit Blick auf die zerstörte Tür der Synagoge. „Aber der emotionale Schaden für unsere Gemeinschaft ist größer und wird länger anhalten. Die Tür können wir reparieren – den Rest nicht.“

Unterstütze unabhängigen jüdischen Journalismus

Bei Raawi – Jüdisches Magazin erzählen wir Geschichten über jüdische Kultur, Geschichte, Religion und Gegenwart. Wir bauen Brücken zwischen Tradition und Moderne – und zwischen verschiedenen Perspektiven.

Im Raawi Support Month bitten wir unsere Leserinnen und Leser um Unterstützung, damit unabhängiger jüdischer Journalismus weiterhin möglich bleibt.

Wenn dir dieser Artikel gefällt, kannst du unsere Arbeit unterstützen.


Raawi unterstützen →

Jede Unterstützung hilft uns, weiterhin Artikel, Interviews, Podcasts und kulturelle Beiträge zu veröffentlichen.

Gemeinsam halten wir Geschichten, Erinnerungen und Perspektiven lebendig.