Das Bundeskabinett hat die EU-Expertin zur Nachfolgerin von Felix Klein berufen. Ihr Amtsantritt in Berlin ist für den 28. Oktober geplant.
Deutschland bekommt eine neue Beauftragte für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus: Das Bundeskabinett hat Katharina von Schnurbein gestern in das Amt berufen. Sie folgt auf Felix Klein, der Ende August als deutscher Botschafter zur Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nach Paris wechselte.
Von Schnurbein soll ihr Amt am 28. Oktober antreten. Sie wird keine Ministerin, sondern Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus. Bis zur Neubesetzung hatte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Christoph de Vries, die Aufgaben übergangsweise übernommen.
Langjährige Erfahrung bei der EU
Von Schnurbein war seit 2015 Koordinatorin der Europäischen Kommission für den Kampf gegen Antisemitismus und die Förderung jüdischen Lebens. Sie wirkte an der ersten EU-Strategie gegen Antisemitismus mit, die 2021 verabschiedet wurde, und begleitete deren Umsetzung. Zuvor arbeitete sie in verschiedenen Funktionen für die EU-Kommission, unter anderem als Sprecherin und im Beraterteam des damaligen Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso.
In ihrem neuen Amt soll sie Maßnahmen von Bund und Ländern gegen Antisemitismus koordinieren und die Sichtbarkeit jüdischen Lebens stärken. Von Schnurbein blickt der Aufgabe nach eigenen Worten mit „großem Respekt, Demut, aber auch dem nötigen Gestaltungswillen“ entgegen. Viele Jüdinnen und Juden fühlten sich nicht mehr sicher und gäben sich in der Öffentlichkeit nicht mehr als jüdisch zu erkennen.
Zentralrat begrüßt die Berufung
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, begrüßte die Entscheidung. Von Schnurbein sei international gut vernetzt und genieße in der jüdischen Gemeinschaft hohes Ansehen. Er halte sie persönlich wie fachlich für eine herausragende Besetzung, erklärte Schuster.
Zugleich verwies er auf die Herausforderungen des neuen Amts. Seit dem 7. Oktober 2023 beobachte der Zentralrat eine fortschreitende Normalisierung des Judenhasses in der Mitte der Gesellschaft.
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