Jüdische Akademie in Frankfurt: Ein neues Haus für jüdische Perspektiven

Frankfurter Skyline mit Hochhäusern, Main und Eisernem Steg im Abendlicht; oben rechts steht „AI-generated“.
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Heute eröffnet in Frankfurt die Jüdische Akademie des Zentralrats der Juden. Als erste überregionale, nichtuniversitäre jüdische Bildungseinrichtung dieser Art seit der Schoa soll sie jüdische Geschichte und Gegenwart in gesellschaftliche Debatten einbringen – und Menschen zum Fragen, Lernen und Streiten zusammenbringen.

In Frankfurt am Main wird heute ein neues Zentrum jüdischer Bildung eröffnet. Zum Festakt werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und Zentralratspräsident Josef Schuster erwartet. Am Dienstag, 3. November, öffnet die Akademie beim „Open House“ ihre Türen für ein breiteres Publikum.

Die Akademie versteht sich als Ort für jüdische Perspektiven auf Fragen, die die gesamte Gesellschaft beschäftigen. Ihr Programm soll jüdische Geschichte und Tradition ebenso aufgreifen wie jüdisches Leben heute, Israel und den Nahen Osten, Politik und Gesellschaft sowie die Arbeit jüdischer Institutionen. Geplant sind unter anderem Vorträge, Seminare, Konferenzen und Fortbildungen.

Jüdisches Leben jenseits vertrauter Zuschreibungen

Ein zentrales Anliegen ist, die Vielfalt jüdischen Lebens sichtbar zu machen. Die Akademie richtet sich an Jüdinnen und Juden ebenso wie an Angehörige anderer Religionsgemeinschaften und an alle, die sich für jüdische Themen interessieren. Sie will jüdische Stimmen in aktuellen Debatten hörbarer machen und zugleich Raum für unterschiedliche Erfahrungen und Positionen schaffen.

Damit setzt das Haus auch einen eigenen Akzent in einer Öffentlichkeit, in der jüdisches Leben häufig vor allem im Zusammenhang mit Antisemitismus und der Schoa erscheint. Diese Themen gehören zur Auseinandersetzung dazu; das Programm soll zugleich jüdische Gegenwart, religiöse und kulturelle Vielfalt sowie jüdisches Denken in den Mittelpunkt rücken. Die Direktorin Sabena Donath beschreibt die Akademie als einen Ort, an dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen gedacht werden.

Ein Haus für Fragen und Debatten

Die Akademie knüpft an die Frankfurter Tradition des Freien Jüdischen Lehrhauses an, das 1920 gegründet und 1938 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Auch die Nähe zur Goethe-Universität ist Teil dieser Geschichte: Jüdische Stifterinnen und Stifter prägten die Entstehung der Universität mit. Heute soll die Akademie den Austausch zwischen jüdischer Gemeinschaft, Wissenschaft und Öffentlichkeit stärken.

Wie offen ein solcher Ort sein kann, zeigt sich auch im Alltag: Aus Sicherheitsgründen müssen Besucherinnen und Besucher sich vorab anmelden. Die Akademie soll dennoch ausdrücklich Menschen erreichen, die bisher wenig über jüdisches Leben wissen oder mit Fragen kommen. Ihr Anspruch ist nicht, Debatten zu vermeiden, sondern sie fundiert und im direkten Austausch zu führen.

Mit der Eröffnung beginnt die Arbeit an einem Ort, der jüdische Themen nicht nur vermittelt, sondern sie als selbstverständlichen Teil gesellschaftlicher und politischer Debatten behandelt. Ob die Akademie diesem Anspruch gerecht wird, entscheidet sich daran, wie vielfältig ihre Stimmen, Gäste und Gespräche künftig sein werden.

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