Am heutigen Nachmittag wurde in Hamburg der Bertini-Preis verliehen. Ausgezeichnet wurden junge Menschen, die sich auf bemerkenswerte Weise mit Demokratie, Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Verantwortung auseinandersetzen. Die Preisverleihung am Nachmittag verzichtete auf große Inszenierung und setzte stattdessen auf Nähe und Dialog – eine Form, die gut zum Anliegen des Preises passte.
Nach einer Begrüßung durch Isabella Vértes-Schütter folgte ein Grußwort von Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer. Beide würdigten die Bedeutung junger Perspektiven, insbesondere in Zeiten, in denen gesellschaftlicher Zusammenhalt keine Selbstverständlichkeit ist. In seiner Festrede erinnerte der Pädagoge und Theatermacher Hédi Bouden daran, dass Mut und Zivilcourage nicht erst mit dem Erwachsenenalter beginnen – und dass sie gerade dann wichtig sind, wenn sie unbequem wirken.
Die ausgezeichneten Projekte
In diesem Jahr würdigte die Jury sechs Projekte, die sich auf sehr unterschiedliche Weise mit Vergangenheit und Gegenwart verbinden:
„Wer die Wahl hat“
Ein politisches Bildungsprojekt der Stadtteilschule Blankenese, das demokratische Entscheidungsprozesse sichtbar macht und verständlich erklärt.
„Feste der Demokratie“
Ein Projekt des Friedrich-Ebert-Gymnasiums, das demokratische Traditionen und politische Kultur greifbar macht und historisch verankert.
„Hier lernte…“
Ein Erinnerungsprojekt des Helene-Lange-Gymnasiums, das vergessene Biografien sichtbar macht und damit zeigt, wie eng persönliche Geschichte, Stadtgeschichte und Verantwortung miteinander verbunden sind.
„…weil ich NEIN sagte!“
Ein Theaterprojekt der Stadtteilschule Bramfeld über Widerstand, Grenzziehung und Selbstbehauptung – Themen, die auf erschreckende Weise zeitlos sind.
„Julius-Hirsch-Schule“
Ein Projekt der BS02 über den jüdischen Fußballnationalspieler Julius Hirsch, dessen Leben und Ermordung während der Schoah zum Ausgangspunkt für Fragen nach Identität, Ausgrenzung und historischer Erinnerung wurde.
„Nie wieder!“
Ein Projekt der Otto-Hahn-Schule, das sich mit Erinnerungskultur und geschichtlicher Verantwortung auseinandersetzt und die Verbindung zur Gegenwart nicht ausspart.
Zwischen den Projektvorstellungen gab es musikalische Beiträge, darunter „Empire State of Mind“ sowie eine Abschlussperformance der Band „The Pink Peaches“. Moderiert wurde der Nachmittag von Aimen Abdulaziz-Said (NDR).
Ein Preis mit Wirkung
Die Bertini-Preisverleihung zeigte einmal mehr, wie wichtig es ist, junge Stimmen ernst zu nehmen – besonders dann, wenn es um Demokratie, Antisemitismus, Diskriminierung und Erinnerungsarbeit geht. Die ausgezeichneten Projekte beweisen, dass historische Verantwortung nicht aus Lehrplänen entsteht, sondern aus Begegnung, Recherche, Austausch und einer Haltung, die sich nicht einschüchtern lässt.








