Israel schickt in diesem Jahr einen Sänger mit französischen Wurzeln zum Eurovision Song Contest nach Wien: Der 27-jährige Noam Bettan, geboren in Israel als Sohn französischer Einwanderer, setzte sich am Dienstagabend im Finale der Castingshow Hakochav Haba (Rising Star) durch und gewann damit das Ticket für Europas größte Musikbühne.
Bettan stammt aus der Stadt Ra’anana und wird als erster männlicher Vertreter seit 2022 für Israel antreten. Schon zum Auftakt der diesjährigen Rising Star-Staffel im November war unklar, ob Israel überhaupt teilnehmen darf. Vor dem Hintergrund des Gaza-Krieges forderten zahlreiche Künstlerinnen, Künstler und Fans einen Ausschluss des Landes. Die Mitglieder der Europäischen Rundfunkunion entschieden jedoch im Januar mit deutlicher Mehrheit gegen einen Ausschluss – eine Entscheidung, die einen politischen Nachgeschmack hinterlässt. Irland, Island, die Niederlande, Spanien und Slowenien kündigten aus Protest ihre Nichtteilnahme an.
Bettan ist sich bewusst, dass ihm in Wien kein klassischer Jubelsturm entgegenschlagen wird. „Es ist wie der Eintritt in die Höhle des Löwen“, sagte er im Interview mit dem Radiosender Kan Gimmel. „Aber wenn man im Publikum ein paar israelische Fahnen sieht, weiß man, dass ein ganzes Land hinter einem steht. Das ist ein echtes Privileg.“
Welches Lied Bettan in Wien präsentieren wird, soll im März bekanntgegeben werden. Eine Jury des öffentlich-rechtlichen Senders Kan wird den Beitrag auswählen, der Israels Teilnahme organisiert.
Nach seinem Sieg bedankte sich Bettan mit bewegenden Worten beim Publikum: Er wolle „alles geben“, um das Land bestmöglich zu vertreten. Das sei für ihn auch ein persönliches Zeichen an seine Familie: „Meine Eltern kamen aus Frankreich nach Israel – ihnen möchte ich stolz machen.“
Bettan bringt im Gegensatz zu seinen direkten Vorgängern bereits Bühnenerfahrung mit. 2018 erreichte er im TV-Musikwettbewerb Aviv or Eyal den dritten Platz, seitdem veröffentlichte er mehrere Singles und 2023 sein Debütalbum Above the Water. Neben hebräischen Texten nutzt er häufig auch seine zweite Muttersprache Französisch – zuletzt im Finale von Rising Star mit einer Interpretation des Chansons „Dernière danse“. Branchenkenner halten es für wahrscheinlich, dass auch sein Eurovision-Titel französische Elemente enthalten wird.
Fest steht: Bettan wird in Wien nicht nur Fans begegnen. Wie schon Eden Golan 2024 in Malmö oder Yuval Raphael 2025 in Basel muss Israel erneut mit Protesten, Buhrufen und politisch aufgeladenem Publikum rechnen. Gleichzeitig zeigte sich zuletzt aber auch ein gegenläufiger Effekt: Das öffentliche Televoting belohnte die israelischen Beiträge mit hohen Punktzahlen – ein Ausdruck internationaler Solidarität der Fanbasis.
Die Wettbüros rechnen daher schon jetzt mit hohen Chancen für Bettan. Trotz der Tatsache, dass bislang nur wenige Länder ihre Teilnehmenden bestätigt haben, wird Israel aktuell als Favorit geführt. Allerdings haben die Jurys der Länder – die Hälfte des Endergebnisses – in der Vergangenheit eher zurückhaltend bewertet, auch um eine mögliche israelische Ausrichtung des Wettbewerbs im Folgejahr zu vermeiden.
Israel nimmt seit 1973 am Eurovision teil und konnte den Wettbewerb bislang viermal gewinnen – zuletzt 2018 durch Netta Barzilai und ihren Song „Toy“, der 2019 zum Finale in Tel Aviv führte. Ob Bettan an diese Erfolgsgeschichte anknüpfen kann, wird sich im Mai in Wien entscheiden.







