Yad Vashem gedenkt 2026 dem Holocaust: Im Zeichen der jüdischen Familie

Yad Vashem
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Zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2026 organisiert Yad Vashem – die weltweit zentrale Institution zur Erinnerung an den Holocaust – zahlreiche Veranstaltungen in Israel sowie internationale Initiativen. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr das Thema „Die jüdische Familie während des Holocaust“. Es zeigt, wie die nationalsozialistische Verfolgung familiäre Strukturen zerstörte, Menschen vor tragische Entscheidungen stellte und das tägliche Überleben bestimmte – und wie Familienbande zugleich Halt gaben und nach 1945 die Grundlage für Erholung und jüdische Kontinuität bildeten.

Ein Gedenkmonat mit weltweiter Bedeutung

Bereits seit Anfang Januar laufen in Jerusalem und im Ausland pädagogische, kulturelle und erinnerungspolitische Programme, die am 27. Januar ihren Höhepunkt erreichen – jenem Datum, das 2005 von den Vereinten Nationen zum Internationalen Holocaust-Gedenktag erklärt wurde.

Diplomatischer Auftakt in Jerusalem

Am 22. Januar findet in Yad Vashem das jährliche Symposium für ausländische Diplomaten statt. Erwartet werden über 70 Vertreter aus verschiedenen Staaten. Zu den Rednern zählen der Vorsitzende von Yad Vashem, Dani Dayan, der Minister für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit, Avi Dichter, sowie Vesela Mrđen Korać, Botschafterin Kroatiens in Israel und Doyenne des Diplomatischen Corps.

Im Anschluss erläutert die Historikerin Shlomit Steiner in einem Vortrag „Das Schicksal der jüdischen Familie während des Holocaust“. Das Symposium endet mit einer Führung durch die Ausstellung „Living Memory: Yad Vashem Collections Between Past and Future“.

Internationale Aktivitäten in Europa

Auch auf europäischer Bühne ist Yad Vashem präsent: Vorsitzender Dani Dayan wird in Wien bei der offiziellen Gedenkveranstaltung des UN-Büros sprechen und Gespräche mit hochrangigen österreichischen Regierungsvertretern führen, darunter Bundeskanzler Christian Stocker und Bildungsminister Christoph Wiederkehr. Anschließend reist er nach Brüssel, um mit der Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola, und weiteren EU-Verantwortlichen über Holocaust-Aufklärung und den Kampf gegen Antisemitismus zu beraten.

Neue Ausstellungen: Kunst, Glaube und Erinnerung

Zum Gedenktag werden mehrere neue Ausstellungen vorgestellt, die den Holocaust aus besonderen Perspektiven beleuchten:

  • In der Synagoge von Yad Vashem zeigt eine neue Ausstellung, wie Juden während der Shoah religiöse Feste und Traditionen bewahrten. Seltene Objekte und Berichte beschreiben Glaubenskraft und Erfindungsreichtum unter Verfolgung.

  • „A Shared Destiny: Artists in the Łódź Ghetto“ widmet sich der Künstlergemeinschaft im Ghetto Łódź. Trotz Hunger, Gewalt und ständiger Gefahr entstanden dort Zeichnungen, Gemälde und heimliche Dokumentationen. Die Ausstellung zeigt Kunst als Form des Widerstands und als historisches Zeugnis.

  • „Living Memory: Yad Vashem Collections Between Past and Future“ bietet Einblicke in die Sammlungsarbeit von Yad Vashem. Gezeigt werden Objekte, Dokumente, Fotografien und Zeugnisse, die helfen, Biografien zu rekonstruieren und das Gedenken für kommende Generationen zu sichern. Am 27. Januar findet dazu ein öffentliches Seminar statt.

Ein globaler Bildungsbaustein ist das Ready2Print-Programm, das kuratierte Wanderausstellungen in über 20 Sprachen anbietet. Zum Gedenktag 2026 wurden über 90 Bestellungen aus 15 Ländern verzeichnet – darunter Deutschland, die USA, China, Usbekistan und Äthiopien.

Persönliche Formen des Gedenkens

Am Abend des 27. Januar veranstaltet Yad Vashem eine Online-Vorführung der Dokumentation „Elie Wiesel: Soul on Fire“, die 2025 den Yad-Vashem-Preis für filmische Exzellenz beim DocAviv erhielt. Anschließend folgt ein Gespräch mit dem Regisseur Oren Rudavsky.

In Jerusalem werden vor der Halle der Erinnerung besondere Gedenkkerzen mit den Namen ermordeter Juden ausgegeben. Über einen QR-Code lässt sich die persönliche Lebensgeschichte aufrufen – eine stille Geste, die den Opfern ihre Identität zurückgibt.

Digitale Orte der Erinnerung

Für den Gedenktag wurde außerdem eine aktualisierte Mini-Website freigeschaltet, die digitale Ausstellungen, pädagogische Materialien und die „IRemember“-Wall umfasst – ein Online-Projekt, das Teilnehmer mit Holocaust-Opfern verbindet. Die zugrundeliegende Zentrale Datenbank der Shoah-Opfer hat inzwischen über fünf Millionen Namen erschlossen.