Olympia und Hamburg – Warum die Hansestadt erneut Nein sagt

Rathaus Hamburg unter blauem Himmel
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Hamburg hat entschieden – und die Entscheidung fällt deutlich aus. Bei der gestrigen Volksabstimmung sprach sich eine Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger gegen eine Olympia-Bewerbung der Stadt aus. Nach dem vorläufigen Endergebnis lehnten 54,9 Prozent eine Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele ab, 45,1 Prozent stimmten dafür. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp der Hälfte der Abstimmungsberechtigten.

Damit wiederholt sich eine Entwicklung, die viele bereits aus dem Jahr 2015 kennen. Schon damals entschied sich Hamburg gegen Olympia. Doch wer das aktuelle Ergebnis lediglich als Ablehnung eines Sportereignisses versteht, greift vermutlich zu kurz.

Denn die gestrige Abstimmung war weit mehr als eine Entscheidung über Stadien, Medaillen oder internationale Aufmerksamkeit. Sie erzählt auch etwas über das Selbstverständnis einer Stadt, die sich zunehmend fragt, welche Projekte sie tragen möchte – und zu welchem Preis.

Die Befürworter einer Bewerbung hatten in den vergangenen Monaten vor allem die Chancen betont. Hamburg könne sich international präsentieren, Investitionen anziehen und Infrastruktur modernisieren. Der Senat sprach von nachhaltigen Spielen, kurzen Wegen und einer Nutzung bestehender Sportstätten. Unterstützt wurde das Vorhaben von Teilen der Wirtschaft und des organisierten Sports, die in Olympia einen Impuls für Stadtentwicklung und Standortpolitik sahen.

Doch viele Hamburgerinnen und Hamburger blieben skeptisch.

Die Gründe dafür sind unterschiedlich, folgen jedoch einer gemeinsamen Grundfrage: Wer profitiert am Ende tatsächlich von einem Großprojekt dieser Größenordnung? Die Sorge vor steigenden Kosten, zusätzlichen Belastungen für Verkehr und Wohnraum sowie die Erfahrung früherer Olympia-Ausrichter spielten dabei eine ebenso große Rolle wie das Gefühl, dass öffentliche Mittel möglicherweise an anderer Stelle dringender benötigt werden.

Hamburg ist eine Stadt mit hoher Lebensqualität, aber auch mit wachsenden sozialen Spannungen. Wohnraum bleibt knapp, Mieten steigen, kulturelle und soziale Einrichtungen kämpfen vielerorts um Finanzierung und Sichtbarkeit. Vor diesem Hintergrund erscheint es nachvollziehbar, dass viele Bürgerinnen und Bürger große Prestigeprojekte zunehmend kritischer betrachten.

Das Nein zu Olympia ist deshalb nicht zwingend ein Nein zum Sport oder zur internationalen Offenheit. Vielmehr wirkt es wie eine Aufforderung zur Prioritätensetzung.

Auch politisch dürfte das Ergebnis nachwirken. Für den Deutschen Olympischen Sportbund bedeutet die Entscheidung, dass Hamburg nicht weiter Teil des Auswahlverfahrens bleibt. Andere Städte und Regionen rücken nun in den Mittelpunkt möglicher deutscher Bewerbungen.

Für Hamburg selbst aber bleibt eine andere Frage interessanter: Was für eine Stadt möchte Hamburg künftig sein?

Eine Stadt, die sich über internationale Großereignisse definiert – oder eine Stadt, die zunächst nach innen schaut und dort investiert, wo viele Menschen unmittelbaren Bedarf sehen?

Die gestrige Volksabstimmung gibt darauf keine endgültige Antwort. Sie macht jedoch deutlich, dass ein erheblicher Teil der Hamburger Bevölkerung nicht automatisch davon überzeugt ist, dass größer immer besser bedeutet. Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Botschaft dieses Votums.

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