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von Jana Welch

Ich bin hier in Deutschland geboren, habe einen Deutschen geheiratet und hier in Deutschland meine Kinder bekommen. Ich bin also das, was man eine wirklich assimilierte Jüdin nennt. Zu meiner „Ehrenrettung“ – zumindest aus der Sicht meines Vaters – muss ich sagen, dass ich es wirklich versucht habe, meinen jüdischen Wurzeln Wasser zu geben. Ich habe ein Jahr in Israel gelebt. Doch anstatt in Jerusalem am Har Hazofim Hebräisch zu lernen, habe ich mich lieber ins Tel Aviver Nachtleben gestürzt. Das war ganz nach meinem Geschmack – Nächte, die zu Tagen wurden, Trommeln am Strand, sich treiben lassen. Ich liebte den alltäglichen Wahnsinn, die lauten Stimmen, das bunte Treiben der verschiedensten Kulturen. Es war, als wäre ich endlich zu Hause angekommen. Hier warich wie alle anderen. Meine Eltern waren begeistert.

Dann lernte ich einen wunderbaren jungen Mann kennen. Dunkelhaarig, wild, verschmitzt -mit Rucksack unterwegs. Er wusste nicht, wo er schlafen sollte und so schmuggelte ich ihn in mein kleines Zimmer an der Uni. Am Strand von Ashkelon, wo wir zettelten, fragte ich ihn nach seinen Eltern. Wo kommen denn Deine Eltern her. Palästina. Wie? Ich starrte ihn an. Ja – ich bin Palästinenser. Er labte sich an meiner Reaktion. An meinem Blick. Verstört und irgendwie erstarrt. Alleine mit einem Palästinenser am einsamen Strand? Was, wenn er mich umbringen würde? (..lesen Sie weiter in userer Ausgabe April 2021)

 

 

 

 

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