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Zu Sukkot gehören “Ushpizin”, das aramäische Wort für Gäste. Der Überlieferung nach besuchen unsere Vorfahren jeden in der Laubhütte. Die Idee der “Ushpizin” geht auf das mystische Werk des Zohar zurück. “Wenn ein Mensch in seiner Sukka sitzt, breitet die Schechina (G’ttes Anwesenheit) ihre Flügel über der Sukka aus, zusammen mit Avraham und den fünf Zaddikim (Gerechten) – Yitzchak, Ja’akow, Yosef, Mosche und Aharon – und König David.

 

Heimat verlassen

Eine der wichtigsten Erfahrungen an Sukkot besteht darin, dass wir unser festes Zuhause verlassen und uns in den Schutz G’ttes übergeben. Das wird von jedem der sieben genannten Gerechten symbolisiert. Avraham verließ die Stadt Ur und begab sich auf eine Reise, auf der er von G’tt beschützt wurde. Yitzchak musste wegen einer Hungersnot seine Heimat verlassen und bei den Philistern leben. Ja’akow musste vor seinem Bruder Esau fliehen und zog zu seinem Onkel Lawan. Und so geht es weiter.

 

Sieben Eigenschaften G’ttes

Die sieben Gerechten stehen auch für die Eigenschaften, die wir HaSchem zuschreiben. Avraham ist das Symbol für Chesed (Nächstenliebe), Yitzchak für Gevura (Stärke) und so weiter. Diese sieben Eigenschaften sind auch mit den Sefirot verbunden, den verschiedenen Ebenen oder Dimensionen der Welt aus der Kabala, der Jüdischen mystischen Philosophie. Sie sind die sieben Begriffe für die Art und Weise, wie G’tt seine Schöpfung behandelt und verwaltet.

 

die Reihenfolge

Über die Reihenfolge, in der die sieben Zaddikim die Sukka besuchen, sind sich die Gelehrten uneins. Nach einer Überlieferung kommen sie in der Reihenfolge ihrer Geburt, Awraham zuerst, König David zuletzt. In der Tradition des Arizal – Rabbi Yitzchak Luria (1534-1572) – wird jedoch angenommen, dass die Reihenfolge der Sefirot, in der sich die Zaddikim vorgibt, wer zuerst die Laubhütte betritt, und dass Aharon der erste Besuch ist und danach Yosef folgt.

 

Verschiedene Bräuche

Rund um die Tradition des Empfangs des “ushpizin” haben sich allerlei Bräuche entwickelt. So werden beispielsweise sieben arme Menschen in die Sukka eingeladen, ein Brauch, der auf Arizal zurückführt. Die sieben irdischen Gäste werden dann den sieben Himmlischen Ushpizin gegenübergestellt.

Bestimmte Gruppen sephardischer Juden schmücken jeden Tag einen Stuhl und stellen ihn für einen besonderen Gast bereit. Im Jerusalemer Stadtteil Newee Ja’akow wird die Sukka jeden Tag von einem Kind besucht, dessen Name derselbe ist wie der des Zaddiks, der der Tradition nach an diesem Tag die Sukka besucht.

In der Sukka tanzen und singen die Kinder und erhalten Leckereien. Das macht Sukkot zu einem wunderbaren Fest.

 

Author: © Oberrabbiner Raphael Evers