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Ha’azinu und die folgende Parscha Wezot HaBeracha bilden das Ende der Thora und wurden am 7. Adar 2488 nach der Schöpfung, dem Geburts- und Todestag von Mosche Rabbenu, gesprochen.

Der größte Teil der Sidra ist dem Gedicht Ha’azinu gewidmet, das ohne Namen beginnt. Alle anderen Gesänge aus dem Tenach haben schon direkt am Anfang einen klaren Verfasser. Zum Beispiel beginnt das Lied vom Meer mit: “Da sangen Mosche und die Bnei Yisra’el. Das Lied vom Brunnen beginnt mit: “Dann sang das Jüdische Volk”. Das Lied von Devora beginnt mit: “Devora und Barak sangen”, und das Hohelied beginnt mit dem Namen des Königs Schlomo. Diese anderen Lieder sind Lieder des Dankes für Wunder, die G’ttr das Jüdische Volk vollbracht hat, oder ein Lied der Liebe zwischen G’tt und seinem Volk.

Ha’azinu gibt eine eher pessimistische Zukunftsvision. Es ist kein Lied der Danksagung. Es gibt keinen Jubel, es ist eher eine Warnung.

Nach Ramban (12. Jahrhundert) ist Ha’azinu ein zukünftiges Versprechen der Erlösung. Das steht auch in der Midraschsammlung Sifre: “Dieses Lied enthält die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft. Es enthält Irdisches und Himmlisches, und das wird angedeutet, wenn es in der Thora heißt: “Und Mosche kam und sprach alle Worte dieses Liedes zu dem ganzen Volk”. Alles umfasst sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft.

Obwohl Ha’azinu ein Lied über Sünden, Strafe und Exil für das Jüdische Volk zu sein scheint, erklärt der Malbim (19. Jahrhundert), dass das Lied eine “Erinnerung” für G’tt selbst ist. Und G’tt bestätigt in der Thora, dass er weiß, dass wir früher oder später in Sünde fallen werden. Dies zeugt von Hoffnung. G’tt kannte den Charakter unseres Volkes von Anfang an. Er wusste, dass Übertretungen unvermeidlich waren. Ha’azinu endet mit noch mehr Hoffnung: “Und Er wird sein Volk in sein Land zurückbringen”. Mögen wir dies bald erleben!

Trotz der geringen Anzahl von Wörtern in Ha’azinu werden viele Dinge erklärt. Alles, was vorhergesagt wurde, ist bis heute eingetreten. Wir können sicher sein, dass all die Dinge, die noch wahr werden müssen, auch wahr werden. Dies sind die Worte G’ttes, die uns von Seinem Propheten, “den Gläubigen in Seinem Haus”, überliefert wurden.

 

Haazinu wurde in fünf Teile eingeteilt:

  • Die Pesukim 3 bis 14 sprechen von der Güte G’ttes gegenüber dem Jüdischen Volk.
  • In der Pasuk 32:6 wird das undankbare Verhalten des Jüdischen Volkes und seine Unachtsamkeit gegenüber seinem eigenen Schicksal erwähnt.
  • Die Pesukim 15 bis 20 handeln von der Rebellion Israels,
  • Die Pesukim 21 bis 35 sprechen über den Zorn G’ttes, und
  • Die Pesukim 36 bis 43 sprechen von G’ttes Rache gegenüber den Feinden des Jüdischen Volkes.

 

Author: © Oberrabbiner Evers