Mit Rolf Hochhuth verliert Deutschland nicht nur einen renommierten Dramatiker, sondern auch einen mutigen Tabubrecher. Sein Werk „Der Stellvertreter“ gehört längst zum Kanon der deutschen Literatur. Wie kein anderer hat Ralf Hochhuth die unrühmliche Rolle des Vatikans während des Nationalsozialismus beleuchtet und damit eine überfällige Debatte in Deutschland angestoßen. Ebenso mischte er sich engagiert in gesellschaftliche Debatten über die Aufarbeitung des Nationalsozialismus ein.

Zu seinem Tod erklärt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster: „So unverständlich es war, dass Rolf Hochhuth zwischenzeitlich mit dem Holocaust-Leugner David Irving sympathisierte, so bleiben seine Verdienste um die Auseinandersetzung mit der Verstrickung der gesellschaftlichen und kirchlichen Eliten in die Schoa ungeschmälert. Er sollte bis heute Schriftstellern als Vorbild dienen, um gesellschaftliche Missstände anzuprangern und sich für eine fortwährende Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit einzusetzen.“