Hamburg hat Peter Hess mit der neuen Medaille für Kunst und Kultur ausgezeichnet. Er holte die Stolpersteine in die Stadt. Seit 20 Jahren recherchieren Ehrenamtliche die Lebensgeschichten hinter den Namen – und machen sichtbar, wer hier verfolgt, vertrieben und ermordet wurde.
Peter Hess erhält Hamburgs neue Kulturmedaille
Ein Name, ein Geburtsjahr, ein Todesdatum: Die Inschrift auf einem Stolperstein ist knapp. Hinter jedem dieser Steine steht ein Leben, das die Nationalsozialisten auslöschen wollten. In Hamburg sorgt eine Initiative seit Jahrzehnten dafür, dass diese Menschen nicht auf wenige Daten reduziert bleiben.
Am 28. Oktober zeichnete der Hamburger Senat Peter Hess mit der erstmals verliehenen Medaille für Kunst und Kultur aus. Hess hatte 2002 die Stolpersteine nach Hamburg geholt und die Verlegung des ersten Steins in der Stadt ermöglicht. Heute erinnern mehr als 7.500 Stolpersteine in Hamburg an Menschen, die vom NS-Regime verfolgt, vertrieben und ermordet wurden.
Stolpersteine in Hamburg: Mehr als 7.500 Erinnerungsorte
Die Steine liegen dort, wo die Verfolgten zuletzt freiwillig gelebt oder gearbeitet haben: vor Wohnhäusern, Geschäften und anderen Orten des Alltags. Das Gedenken findet damit nicht nur an zentralen Mahnmalen statt, sondern mitten in der Stadt – auf vertrauten Wegen, vor Haustüren und an Straßenecken.
Doch die Messingtafeln erzählen nur einen Ausschnitt. Wer die Namen liest, erfährt zunächst kaum etwas über die Menschen, ihre Familien und ihr Leben vor der Verfolgung. Diese Lücke schließt die biografische Spurensuche, die 2006 begann.
Biografien hinter den Stolpersteinen: 5.500 Lebensgeschichten erforscht
Die Historikerinnen Rita Bake und Beate Meyer riefen das Projekt ins Leben. Ehrenamtliche recherchieren seither in Archiven, werten Dokumente aus und schreiben die Lebensläufe auf. Rund 5.500 Biografien sind inzwischen veröffentlicht. Das 20-jährige Bestehen der Initiative wurde am 21. Oktober in Hamburg begangen.
Wie aus wenigen Daten eine Lebensgeschichte wird, zeigt das Beispiel Alfred Pein. Der jüdische Hamburger Kaufmann verlor unter dem NS-Regime zunehmend seine wirtschaftliche Grundlage und schließlich seine Wohnung. 1942 wurde er nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Sein Stolperstein erinnert an den Ort, an dem er zuletzt gelebt hatte. Die recherchierte Biografie macht nachvollziehbar, wie die Verfolgung Schritt für Schritt in den Alltag seiner Familie eingriff.
Erinnerung an jüdische Opfer und weitere Verfolgte
Die Stolpersteine erinnern an Jüdinnen und Juden sowie an andere Opfergruppen des Nationalsozialismus, darunter politische Gegner, Homosexuelle und Menschen, die als krank oder behindert verfolgt und ermordet wurden. Die Biografien geben den Namen ein persönliches Umfeld zurück: Sie erzählen von Berufen, Beziehungen, Hoffnungen und dem gewaltsamen Ende eines Lebens.
Peter Hess’ Auszeichnung rückt deshalb auch die Arbeit vieler anderer in den Blick. Neben den Verlegungen braucht es Menschen, die Spenden organisieren, Quellen erschließen, Angehörige begleiten und die Ergebnisse veröffentlichen. Ihre Arbeit hält die Erinnerung im Stadtbild präsent – und macht aus einer Inschrift wieder ein Leben.
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