Hamburg beruft Dr. Anna von Villiez zur neuen Antisemitismusbeauftragten

Das Hamburger Rathaus erhebt sich im warmen Tageslicht über dem weitläufigen Rathausmarkt. Der historische Sandsteinbau mit seinem markanten Uhrturm und den grünen Kupferdächern steht im Mittelpunkt des Bildes. Auf dem Platz sind vereinzelt Passanten unterwegs, während der blaue Himmel und die offene Atmosphäre die Bedeutung des Rathausmarktes als zentralen Ort des öffentlichen Lebens in Hamburg unterstreichen.
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Der Hamburger Senat hat Dr. Anna von Villiez zur neuen Beauftragten für jüdisches Leben sowie die Bekämpfung und Prävention von Antisemitismus bestellt. Mit der Ernennung endet eine monatelange Vakanz, nachdem das Auswahlverfahren aufgrund eines gerichtlichen Verfahrens gegen einen Mitbewerber vorübergehend ausgesetzt worden war. Erst nachdem das Hamburgische Oberverwaltungsgericht die Beschwerde rechtskräftig zurückgewiesen hatte, konnte die Bestellung erfolgen.

Die Historikerin tritt die Nachfolge von Stefan Hensel an und wird das Amt zunächst für drei Jahre ausüben. Organisatorisch ist die weisungsunabhängige Stelle bei der Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung angesiedelt. Zu ihren Aufgaben gehören die Koordinierung der Hamburger Maßnahmen gegen Antisemitismus, die Förderung jüdischen Lebens sowie die Vertretung Hamburgs in der Bund-Länder-Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus. Zudem wird sie den Vorsitz des Hamburger Runden Tisches gegen Antisemitismus übernehmen.

Langjährige Erfahrung in Bildungs- und Erinnerungsarbeit

Dr. Anna von Villiez leitet seit 2018 die Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule an der Hamburger Volkshochschule. Zuvor war sie unter anderem wissenschaftliche Mitarbeiterin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie in der Provenienzforschung der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg tätig. International sammelte sie außerdem Erfahrungen als Forschungskoordinatorin an der Oxford Brookes University. Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der Medizingeschichte des Nationalsozialismus, der Wissenschaftsgeschichte und der Provenienzforschung.

Jüdisches Leben muss sichtbar bleiben

In ihrer ersten Stellungnahme machte die neue Beauftragte deutlich, worauf sie ihren Schwerpunkt legen möchte. Hamburg verfüge heute wieder über eine lebendige jüdische Gemeinschaft, die von vielen engagierten Menschen getragen werde. Gleichzeitig dürfe es nicht sein, dass Jüdinnen und Juden ihre Identität aus Angst vor Anfeindungen verbergen müssten.

Von Villiez kündigte an, gemeinsam mit Politik und Zivilgesellschaft wirksame Maßnahmen gegen den zunehmenden Antisemitismus zu entwickeln. Ebenso wolle sie sich dafür einsetzen, dass jüdisches Leben als selbstverständlicher und selbstbewusster Teil der Hamburger Stadtgesellschaft noch sichtbarer werde.

Klare Unterstützung aus Politik und Stadtgesellschaft

Hamburgs Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal bezeichnete Antisemitismus als Angriff auf Jüdinnen und Juden ebenso wie auf die demokratischen Grundwerte. Das Amt der Antisemitismusbeauftragten spiele deshalb eine zentrale Rolle für den Schutz jüdischen Lebens. Von Villiez überzeuge durch ihre wissenschaftliche Expertise, ihre enge Vernetzung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft sowie ihre langjährige Erfahrung im Dialog mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Akteuren.

Auch Vertreterinnen und Vertreter mehrerer Bürgerschaftsfraktionen begrüßten die Personalentscheidung. Angesichts der steigenden Zahl antisemitischer Vorfälle sei eine starke und sichtbare Ansprechperson für die jüdische Gemeinschaft wichtiger denn je. Mit der Berufung von Dr. Anna von Villiez setzt Hamburg nach Monaten der Unsicherheit ein deutliches Signal: Der Schutz jüdischen Lebens und der entschlossene Kampf gegen Antisemitismus sollen künftig wieder mit einer festen, unabhängigen Stimme vertreten werden.

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