Nachruf auf Eva Schloss: Zeitzeugin der Shoah und Stiefschwester von Anne Frank verstorben

Dame mit Brille lächelt in Kamera
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Eva Schloss, Holocaust-Überlebende, Zeitzeugin der Shoah und Stiefschwester von Anne Frank, ist im Alter von 95 Jahren verstorben. Mit ihr verliert die jüdische Gemeinschaft eine der wichtigsten Stimmen gegen das Vergessen, Antisemitismus und Geschichtsverfälschung. Ihr lebenslanges Engagement für Erinnerungskultur und Bildung machte sie weltweit zu einer bedeutenden Mahnerin der Geschichte.

Ein Leben geprägt von Verfolgung und Überleben

Die am 11. Mai 1929 in Wien geborene Eva Schloss wuchs in einer jüdischen Familie auf, deren Leben durch den Nationalsozialismus zerstört wurde. Nach der Flucht in die Niederlande wurde sie 1944 gemeinsam mit ihrer Mutter nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Ihr Vater und ihr Bruder wurden ermordet. Eva Schloss überlebte das Konzentrationslager – ein Schicksal, das ihr weiteres Leben bestimmen sollte.

Nach der Befreiung kehrte sie in die Niederlande zurück. Ihre Mutter heiratete später Otto Frank, den Vater von Anne Frank. Durch diese Verbindung wurde Eva Schloss oft mit Anne Frank in Verbindung gebracht, doch sie entwickelte bewusst ihre eigene Rolle als Zeitzeugin mit einer eigenständigen Perspektive auf die Shoah.

Eva Schloss als Zeitzeugin und Holocaust-Aufklärerin

Über Jahrzehnte hinweg engagierte sich Eva Schloss international in der Holocaust-Aufklärung. Sie sprach an Schulen, Universitäten und Gedenkstätten über ihre Erfahrungen in Auschwitz, über den Verlust ihrer Familie und über die Gefahren von Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung. Ihre Vorträge waren geprägt von Klarheit, Würde und einer eindringlichen Warnung vor dem Vergessen.

Dabei vermied Eva Schloss Hass oder Rachegedanken. Stattdessen setzte sie auf Bildung, Dialog und Verantwortung. Ihre zentrale Botschaft lautete: Die Erinnerung an den Holocaust ist keine Angelegenheit der Vergangenheit, sondern eine Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft.

Bedeutung für jüdische Erinnerungskultur und Gegenwart

Mit dem Tod von Eva Schloss verstummt eine der letzten authentischen Stimmen der Shoah-Überlebenden. Für die jüdische Erinnerungskultur, für Gedenkarbeit und historisch-politische Bildung ist ihr Verlust von großer Bedeutung. Gerade in Zeiten zunehmenden Antisemitismus erinnerte sie daran, wohin Gleichgültigkeit und Hass führen können.

Für Raawi – Jüdisches Magazin steht Eva Schloss exemplarisch für jüdisches Leben nach der Shoah: für Überleben, Verantwortung und den Mut, die eigene Geschichte öffentlich zu erzählen – nicht aus Selbstzweck, sondern zum Schutz der Menschlichkeit.

Ein Vermächtnis gegen das Vergessen

Eva Schloss hinterlässt ein bleibendes Vermächtnis. Ihre Worte, ihre Bücher und ihre Begegnungen mit jungen Menschen wirken über ihren Tod hinaus. Ihr Leben mahnt uns, Erinnerung wachzuhalten und uns aktiv gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit zu stellen.

Copyright Photo: Von John Mathew Smith & www.celebrity-photos.com from Laurel Maryland, USA – Eva Schloss 1, CC BY-SA 2.0, Link