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Duden ändert Definition des Begriffs “Jude” nach Aufschrei führender jüdischer Gruppen

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Der Duden hat  seine Definition des Begriffs “Jude” geändert, nachdem eine kürzliche Aktualisierung einen Aufschrei in der jüdischen Gemeinde des Landes ausgelöst hatte – ein Schritt, der die Empfindlichkeiten widerspiegelt, die acht Jahrzehnte nach dem Holocaust noch immer bestehen.

Das Duden-Wörterbuch hatte kürzlich eine Erklärung in seine Online-Ausgabe aufgenommen, in der es heißt: “Gelegentlich wird der Begriff Jude aufgrund der Erinnerung an den nationalsozialistischen Sprachgebrauch als diskriminierend empfunden. In diesen Fällen werden in der Regel Formulierungen wie jüdisches Volk, jüdische Mitbürger oder Menschen jüdischen Glaubens gewählt.”

Diese Erklärung führte zu einem Aufschrei führender jüdischer Gruppen und Einzelpersonen, die betonten, dass es nicht diskriminierend sei, sich selbst als Jude zu bezeichnen oder als Jude bezeichnet zu werden, im Gegensatz zu dem, was die Definition des Duden impliziert.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Joseph Schuster, sagte letzte Woche, dass das Wort “Jude” für ihn weder ein Schimpfwort noch diskriminierend sei.

“Auch wenn ‘Jude’ auf Schulhöfen abwertend oder von manchen Menschen nur zögerlich verwendet wird, und die Duden-Redaktion sicherlich wohlmeinend auf diesen Zusammenhang hinweist, sollte alles getan werden, um den Begriff nicht als diskriminierend zu verfestigen”, sagte Schuster.

Der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, Daniel Botmann, schrieb auf Twitter: “Ist es okay, Jude zu sagen? Ja! Bitte sagen Sie nicht ‘jüdische Mitbürger’ oder ‘Menschen jüdischen Glaubens’. Nur ‘JUDEN’. DANKE!”

Der Dudenverlag reagierte auf die Kritik und aktualisierte seine Definition am Montag erneut, um die Anregungen der jüdischen Gemeinde zu berücksichtigen.

“Aufgrund ihrer antisemitischen Verwendung in Geschichte und Gegenwart, insbesondere während der Nazizeit, sind die Wörter Jude/Jüdin seit Jahrzehnten umstritten”, heißt es nun auf der Website des Dudens. “Gleichzeitig werden die Wörter weithin als selbstverständlich verwendet und nicht als problematisch empfunden. Der Zentralrat der Juden in Deutschland, der den Begriff selbst in seinem Namen trägt, befürwortet die Verwendung.”

Während des Dritten Reiches ermordeten die deutschen Nazis und ihre Schergen 6 Millionen europäische Juden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die einst blühende jüdische Gemeinde in Deutschland von etwa 600.000 auf 15.000 geschrumpft.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wanderten rund 200.000 Juden aus Russland, der Ukraine und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken nach Deutschland ein und brachten neues jüdisches Leben in das Land.

 

Sandra Borchert

Redaktion und Redaktionsleitung