Hamburg
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Die Corona-Pandemie hat für viele Akteurinnen und Akteure aus Kultur und Kreativwirtschaft besonders weitreichende Folgen. Um sie und weitere Crowdfunderinnen und Crowdfunder unterschiedlicher Branchen gezielt bei der Realisierung neuer Projekte zu unterstützen, haben die Hamburg Kreativ Gesellschaft und die Behörde für Kultur und Medien die Hamburger Crowdfunding-Kampagnenförderung aufgelegt. Die erste Förderrunde war ein voller Erfolg. Daher soll das Programm nun fortgesetzt werden. Hamburger Projektstarterinnen und Projektstarter erhalten Förderung von bis zu 5.000 Euro, um ihre Crowdfunding-Kampagnen zu professionalisieren und erfolgreich durchzuführen. Die Zuschüsse dürfen für kreativwirtschaftliche Leistungen eingesetzt werden, die in der Hamburger Kreativwirtschaft in Auftrag gegeben werden. So hat das Programm einen doppelten positiven Effekt für die hiesige Kreativwirtschaft.

Seit dem Startschuss im April hat die Kreativ Gesellschaft im Auftrag der Behörde für Kultur und Medien bereits 53 Anträge bewilligt und mit insgesamt 225.000 Euro aus dem Corona-Hilfspaket Kultur gefördert. 36 der geförderten Crowdfunding Projekte sind bereits abgeschlossen oder angelaufen und wurden mit rund 150.000 Euro gefördert. Im Rahmen des Crowdfundings haben diese zusammengerechnet mehr als 880.000 Euro an privater Unterstützung eingeworben. Das entspricht einem Hebeleffekt von 590 Prozent. Um die erfolgreiche Crowdfunding-Kampagnenförderung fortzusetzen, stellt die Behörde für Kultur und Medien nun noch einmal 100.000 Euro für weitere Projekte zur Verfügung.

Anträge können ab sofort auf der Internetseite der Kreativ Gesellschaft eingereicht werden: https://kreativgesellschaft.org.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die Hamburger Crowdfunding-Kampagnenförderung ist auf große Resonanz gestoßen und konnte für die Kultur und Kreativwirtschaft in Hamburg beeindruckende Effekte erzeugen. Vor allem aber überzeugen die dahinterliegenden Ideen und Initiativen, die die ungebremst große Kreativität in der Branche deutlich machen und einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die Kreativwirtschaft in Hamburg möglichst gut durch diese Krisenzeit kommt. Diesen Effekt für die Hamburger Kreativwirtschaft wollen wir weiter fördern und haben das Programm daher nach dem großen Erfolg der ersten Runde nochmals verlängert.”

Egbert Rühl, Geschäftsführer der Hamburg Kreativ Gesellschaft: „Bei der Hamburger Crowdfunding-Kampagnenförderung gibt es nur Gewinner: die Kampagnen können mit der Förderungen professioneller und damit erfolgversprechender gestaltet werden. Akteure der Kreativwirtschaft erhalten mit den Fördermitteln in der Krise Aufträge, um für die Kampagnen bessere Konzepte, Videos, Texte, Graphiken, Animationen, etc. zu erstellen. Die Behörde stimuliert mit der Förderung die Eigeninitiative der Kampagnen-Macher und erzielt eine beachtliche Hebelwirkung. Jeder eingesetzte Euro sammelt ein Vielfaches ein. Eine sehr naheliegende Entscheidung, dieses Programm weiterzuführen, über die wir uns selbstverständlich sehr freuen.”

 

Über die Hamburger Crowdfunding-Kampagnenförderung

Geförderte Projektstarterinnen und Projektstarter erhielten neben einer qualifizierten Beratung eine Fördersumme von bis zu 5.000 Euro. Mit diesem Zuschuss konnten im Rahmen der Kampagnenerstellung Kreativleistungen in der Hamburger Kreativwirtschaft beauftragt werden, zum Beispiel Grafikdesign, Foto- oder Videoproduktionen, Text- oder Werbeleistungen. Die Hamburger Crowdfunding-Kampagnenförderung dient auf diese Weise zwei Zielen: Zum einen sollen Hamburger Unternehmen, Institutionen und Vereine ermutigt und unterstützt werden, in den herausfordernden Zeiten der Corona-Krise auf Crowdfunding als alternatives Finanzierungsinstrument zurückzugreifen. Zum anderen stärkt diese Förderung die lokalen Kultur- und Kreativwirtschaft.

Die ausgeschütteten 225.000 Euro stammen aus dem Hilfspaket Kultur des Hamburger Corona Schutzschirmes und wurden von der Behörde für Kultur und Medien zur Verfügung gestellt. Nach der positiven Zwischenbilanz soll die Crowdfunding-Kampagnenförderung weitergeführt werden. Hierzu stellt die Behörde für Kultur und Medien weitere 100.000 Euro zur Verfügung.

Fakten zum Zwischenergebnis:

  • Hebeleffekt von 590 Prozent:
    Mit Stand vom 9. November wurden bereits 36 Projekte gestartet oder schon abgeschlossen. Die Projekte wurden mit einer Summe von 148.527,40 Euro gefördert und konnten selbst 883.290,00 Euro einsammeln.
  • Branchen der Antragstellerinnen und Antragsteller:
    44 Antragstellerinnen und Antragsteller kamen direkt aus dem Bereich der Kreativwirtschaft, wie etwa aus der Musik, dem Verlagswesen, Eventbereich, Bars, Journalismus, Mode, u. Ä.
    11 Antragssteller stammen aus den Bereichen Sport, Social Business, Gesundheit, Soziales, u. Ä.
  • Rechtsform der Antragstellerinnen und Antragsteller:
    Von den 55 vorliegenden Anträgen, stammten 29 von Unternehmerinnen und Unternehmern (Gewerbe und freie Berufe). 15 Anträge wurden von Unternehmen, 10 von (gemeinnützigen Vereinen) und ein Antrag von einer Stiftung eingereicht.

Wer konnte eine Förderung beantragen?

Antragsberechtigt waren Unternehmerinnen und Unternehmer (Gewerbe und freie Berufe), Unternehmen, Vereine sowie Stiftungen aus Hamburg, die eine Crowdfunding-Kampagne starten wollten und kreative Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung ihrer Kampagnen benötigten. Die jeweilige Branche der Antragstellerinnen und Antragsteller spielte bei der Vergabe der Mittel keine Rolle: Projekte aller Branchen und Sektoren, kommerziell wie nicht-kommerziell, waren antragsberechtigt. Zwischen unterschiedlichen Crowdfunding-Plattformen und -Modellen konnte frei gewählt werden.

Wofür konnte der Zuschuss beantragt werden?

Der einmalige Zuschuss konnte ausschließlich für kreativwirtschaftliche Dienstleistungen, die für die Vorbereitung und Durchführung einer Crowdfunding-Kampagne benötigt werden, beantragt werden. Mit der Fördersumme konnten etwa folgende kreative Dienstleistung gezahlt werden:

  • Fotos, Texte, Lektorat, Übersetzungen
  • Videos (auch Teilleistungen wie Storyboard, Schnitt etc.)
  • Grafikdienstleistungen (Infografik, Branding, Logos etc.)
  • Storytelling-Beratung, Kommunikationsplanung (PR, Presse/Mediakit etc.)
  • Marketingberatung (Social-Media etc.)
  • Strategie-, Kommunikations- und Markenberatung bezogen auf die Kampagne (nicht das Produkt) durch Akteure der Designwirtschaft
  • Weitere Kreativleistungen die von Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft erbracht werden, zum Beispiel der Entwurf von sogenannten „Dankeschöns“, die als Gegenwert zur beigetragenen Summe angeboten werden.

Beispiele von bereits erfolgreich abgeschlossenen Crowdfunding-Kampagnen:

  • OPEN STUDIO: Hamburgs erste Online-Mediathek für Künstler*innenportraits. In den frei zugänglichen Videos werden jeden Monat Künstler*innen gezeigt, die in Hamburg leben. Sie öffnen die Türen ihrer Ateliers und bieten so Einblicke in ihre Arbeit.
    www.startnext.com/openstudio
  • GROSSE FREIHEIT SCHREIBEN: Das Ohnsorg-Theater möchte Autorinnen und Autoren im Rahmen eines Wettbewerbs ein Forum für originelle, zeitgemäße Erzählungen bieten. Nach dem Motto „Auf der Suche nach neuer Dramatik!“ werden Geschichten für die norddeutsche Region für die Bühnen von heute gesucht.
    www.startnext.com/grosse-freiheit-schreiben
  • Non Piano/Toy Piano Weekend: Ein kreatives, zeitgenössisches Spielzeugklavier-Festival mit ungewöhnlichen Instrumenten und zauberhaften Klängen. Das Festival bietet seinem Publikum nun schon im 7. Jahr zeitgenössische Musik auf Spielzeugklavieren und anderen ungewöhnlichen Instrumenten, wie Schreibmaschinen, Schuhen, Kalimbas oder Luftballons. 2020 findet das Konzert erstmals als Livestream statt und ist speziell auf dieses neue Format zugeschnitten.
    www.startnext.com/non-piano-toy-piano
  • Südpol: Der Südpol ist ein kollektiv organisierter Veranstaltungsort mit Fokus auf elektronischer Musik. Neben Partys bietet der Südpol diverse Kulturangeboten und neue Ideen abseits des Mainstreams, von Performances, Konzerten, Theater- und Filmvorführungen bis zu Lesungen und Ausstellungen. Dank der Crowdfunding-Kampagne konnte der Südpol mit der Funding-Summe von 113.791 Euro das gesetztes Ziel von 100.000 Euro sogar übertreffen und den Erhalt ihres Areals in Hammerbrook bis Ende des Jahres ohne Ausführungen von Veranstaltungen sichern.
    www.startnext.com/suedpol-hamburg
  • Die Kushel Decke – Kusheln fürs Klima: Das Start-up fertigt nachhaltige Handtücher aus Holz und ist die erste klima- und ressourcenpositive Textilmarke der Welt. Mit der Hamburger Förderung konnten sie Teile ihrer Videoproduktion finanzieren, die ihre Crowdfunding-Kampagne bewarb. Insgesamt konnte Kushel eine Funding-Summe von 75.667 Euro erzielen.
    www.kreativgesellschaft.org/blog/start-up-kushel-im-interview-du-musst-beim-crowdfunding-den-herdentrieb-ansprechen/
    www.kushel.de
  • Stilform INK – Magnetic Fountain Pen DLC Black Titanium: Dank 3.716 Unterstützenden konnte für den Titan-Füllfederhalter innerhalb von 45 Tagen eine Funding-Summe von 420.136 Euro eingenommen werden.
    www.kickstarter.com/projects/stilform/stilform-ink/posts/2942251
    https://stilform.com/?lang=de.

 

© Foto: Tumiso