Raawi trifft: Maya Lasker – Wallfisch

Maya Lasker - Wallfisch
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Mit ihrem Buch „Briefe nach Breslau“, knackte Maya Lasker – Wallfisch auf Anhieb die Bestsellerlisten. Indem Maya an die von den Nazis ermordeten Großeltern schrieb, entstand eine Beziehung über die Katastrophe des 20. Jahrhunderts hinweg. Für Maya begann danach ein neues Leben, in einer neuen Stadt, eine neue Mission: den Ort, von dem das Verhängnis seinen Ausgang nahm, zu verwandeln, in ein Zuhause, eine befriedete Heimat.

Dazu geht Maya in ihrem neuen Buch „Ich schreib euch aus Berlin“ auf die Suche nach der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart Berlins: Friedhof Weißensee, Pestalozzistraße, Gleis 17 im Grunewald … Im Spiegel dieser Orte und im Zwiegespräch mit den Großeltern rettet sie sich, ihre Familie, ihre jüdische Herkunft. Wir von Raawi haben mit Maya Lasker-Wallfisch über ihr neues Buch gesprochen.

Zunächst einmal: Wie war die Resonanz auf Ihr letztes Buch? Was hat Ihre Familie darüber gedacht?

Die öffentliche Resonanz auf mein erstes Buch war wirklich positiv. Ich hatte keine Erwartungen, also war es eine wirklich positive Erfahrung. Meine Familie war davon ebenfalls überrascht. Meine Mutter war zwar stolz auf meine Leistung, aber sie war zwiespältig über die Veröffentlichung meiner Geschichte, die Teil der Erzählung war.

In Ihrem letzten Buch haben Sie erwähnt, dass Sie eine Wohnung in Berlin suchten, was Sie auch taten. In Ihrem neuen Buch geht es um die Ankunft in Berlin während der Corona-Zeit und den Versuch, sich in eine neue Stadt und neue Menschen einzufügen und sich selbst zu finden. Sie nennen es Ihre Heimkehr. Was war der erste Gedanke, der Ihnen durch den Kopf ging, als Sie tatsächlich in Berlin ankamen?

Meine eigentliche Ankunft in Berlin war surreal. Ich brach mir buchstäblich auf der Durchreise die Schulter und verbrachte die ersten 48 Stunden damit, deutsche Ambulanzen und Krankenhäuser kennenzulernen. Das war keine sanfte Landung und ich fragte mich, ob dies wohl ein Zeichen für die kommenden Dinge sei.

 

Was war für Sie das Schwierigste, sich in Berlin einzugewöhnen?

Viele Dinge waren eine grosse Herausforderung. Trotz meines Deutschen Blutes ist die Kultur so anders, als die, mit der ich so vertraut bin. Natürlich war auch die Bürokratie sehr verwirrend und einschüchternd. Meinen Platz zu finden ist ein hartes Stück Arbeit, langsam und manchmal unversöhnlich. Allerdings hat bisher meine Entschlossenheit gesiegt,

Haben Sie schon ein Stückchen Deutschland in sich entdeckt? Wenn ja, welcher ist es?

Ich glaube, die Übereinstimmung mit meiner physischen Umgebung hat eine starke Resonanz. So als ob ich schon einmal hier gewesen wäre. Das ist sicher die deutsche Psyche, die man nicht leugnen kann.

Sie sprechen in Ihrem neuen Buch über Ihre Reisen nach Breslau und Auschwitz. Sehr beeindruckend ist zweifellos die Begegnung mit Jürgen Höß in Auschwitz und in London, zusammen mit Ihrer Mutter. Wie hat sich das für Sie angefühlt. Was hat Sie dazu bewogen, diesem Treffen zuzustimmen?

Ich hatte das Gefühl, dass dies eine ganz besondere Gelegenheit war. Ich bin im Herzen jemand, der etwas verändern will. Wenn ich etwas aus der Geschichte und dem Erbe meiner Mutter gelernt habe, dann ist es die Notwendigkeit sich zu verbinden und miteinander zu reden. Dies ist das Einzige, was eine Veränderung herbeiführen kann. Es war eine Mitzwa, Zeugnis abzulegen und sich dieser außergewöhnlichen Situation zu stellen. Etwas, was ich nie bereuen werde.

 Könnten Sie sich vorstellen, eine Zeit lang in Breslau zu leben, um dort deine
Wurzeln zu finden oder aufzuholen?

In Breslau gibt es nichts mehr. Nur noch Verzweiflung. Meine Arbeit dort, wurde in diesem neuen Buch vollendet.

Maya, Sie haben gerade erst begonnen, sich in Ihrem neuen Leben einzuleben – was sind Ihre Pläne für die kommenden Jahre? Dein Herz scheint sich zum jüdischen Friedhof in der Alten Hamburger Straße hingezogen zu fühlen. Könnte das eines Ihrer zukünftigen Projekte sein?

Ich hoffe, dass ich meinen Platz in Deutschland finden und in der Lage sein werde, einen Beitrag zu den aktuellen Herausforderungen des Antisemitismus und Rassenhass zu leisten. Ich habe mir keine Grenzen gesetzt. Der Friedhof hat mich dazu inspiriert dazu beizutragen, ihn in einen Ort des Friedens und der Schönheit umzuwandeln. Momentan ist er eine trostlose Einöde, die mir das Herz gebrochen hat.

Was bedeutet Heimat für Sie? Wo ist Ihr Zuhause?

Heimat scheint kein bestimmter Ort zu sein. Es hat mehr damit zu tun, wo ich mich willkommen fühle. Ich hoffe aufrichtig, dass mich Berlin willkommen heisst.

 

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