• Niemand konnte die Träume deuten

Weshalb erinnerte sich der Obere Mundschenk plötzlich wohl an Jossejf? Jeder hatte sich geäußert, aber niemand konnte die Neugier von Pharao befriedigen. Das Rätsel war immer noch nicht gelöst worden. Schließlich und letztendlich brachte G“tt die Erlösung. Er ließ den Oberen Mundschenk sich an Jossejf erinnern. Der Obere Mundschenk fürchtete sich um seinen Posten, da er sah, dass der Pharao so unruhig wurde, dass es nicht undenkbar sei, dass er verrückt werden könnte. Dieses könnte bedeuten, dass ein anderer Pharao kommen würde, der voraussichtlich einen anderen Hofstaat einstellen würde. Der Obere Mundschenk sollte Jossejfs verdienstvolle Traumdeutung wohl mitteilen, da er sonst, wenn er das nicht täte, vielleicht seine Anstellung verlieren könnte, wenn der Pharao aus Ungewissheit verrückt werden sollte.

 

Nicht so angenehm

  • Was besagt die Thora inhaltlich in den Wörtern des Mundschenks? Der Oberste der Mundschenker sandte dem Pharao eine Botschaft: „Meine Sünden bringe ich heute in Erinnerung. Pharao war auf seine Dienerschaft erbost und ließ mich ins Haus der Bewährung bringen, ins Haus des Obersten der Leibwache, mich und den Obersten der Bäcker. Beide hatten wir damals in derselben Nacht einen Traum. Jeder grübelte über die Deutung seines Traumes nach. Da war bei uns ein Hebräischer junger Mann, der Sklave des Obersten der Leibwache. Wir erzählten ihm unsere Träume und er deutete unsere Träume großartig. So, wie er uns das erklärt hatte, so geschah es auch. Mich setze man wieder in meine Stelle zurück und den Obersten der Bäcker hat man aufgehängt“.

Der Obere Mundschenk verhielt sich Jossejf gegenüber nicht sehr sympathisch. Er betonte, dass Jossejf nur ein junger Junge sei und ungeeignet für eine hohe Position am Hof. Außerdem sei er ein Sklave und das ägyptische Gesetz schrieb vor, dass ein Sklave nie König werden könnte. Er kam aus einer Hebräischen Familie, die Schafe aßen, die die Ägypter als Götter verehrten. Ägypter konnten nie zusammen mit Juden essen. Der Pharao holte Jossejf schnell aus dem Gefängnis und ließ ihn in den Palast kommen.

 

  • Jossejf erscheint vor dem Pharao

Wieso wusste der Pharao, dass Joseefs Deutung wohl richtig sei?

Jossejf ließ sich Bart und Haare schneiden und wechselte seine Anziehsachen. Seit er von seinem Vater weg war, hatte er keinen Wein getrunken und seine Haare wie ein Nasir wachsen lassen. Aber zur Ehre seines Besuches beim Pharao ließ er sich die Haare durch den Obersten Mundschenk schneiden. Pharao’s wunderbarer Thron hatte 70 Stufen. Jossejf stellte sich auf die dritte Stufe und der Pharao erklärte ihm, dass er einen Traum gehabt hätte. Jossejf fragte Pharao, wieso er so sicher sei, dass alle anderen Erklärungen falsch seien. Der Pharao sicherte ihm zu, dass er genau wüsste, welche Erklärung richtig sei, da er die Erklärung seines Traumes mit dazu geträumt hätte. Er konnte sich jedoch nicht mehr an diese erinnern. Er könnte jedoch nicht für verrückt betrachtet werden, denn er wüsste genau was richtig und was nicht richtig sei.

Jossejf erläuterte dem Pharao, dass G“tt letztendlich dem Menschen die Einsicht verleiht, um Träume zu deuten: „Möge G“tt nach dem Wohlbefinden des Pharaos antworten“. Der Pharao stellte Jossejf auf die Probe. „In meinem Traum“, sprach Pharao, „stand ich am Flussufer und ich sah sieben Kühe dem Fluss entsteigen“. Jossejf stoppte Pharao kurz: „Das ist nicht ganz richtig. Sie sahen sieben fette, gutaussehende Kühe“. Der Pharao sagte, dass Jossejf Recht hatte und dass er ihn nur prüfen wollte.

 

Änderung von Einzelheiten

* Weshalb sind beide Traumgeschichten nicht vollständig identisch? Der Pharao veränderte ab und zu einige Einzelheiten, um zu sehen, ob Jossejf seinen Traum vollständig vor sich sah. Deshalb stehen im Thoratext ab und zu etwaige kleine Änderungen zwischen dem tatsächlichen Traum und der Weise, wie Pharao diesen dem Jossejf präsentierte. Der Pharao fiel von einem Erstaunen in das andere. Anscheinend hatte Jossejf seinen Traum auch gesehen. Der Pharao fragte sich ab, wie Jossejf alle Einzelheiten des Traumes wissen könne. „Standest Du neben mir, als ich träumte?“ Jossejf erklärte, dass G“tt dem Pharao eine Botschaft überbracht hätte. Es würden sieben fette Jahre kommen: „Beide Träume des Pharao wären EINS. Was G“tt vor hat, zu unternehmen, das hat ER Ihnen mitgeteilt. Die sieben guten Kühe sind sieben Jahre, und die sieben guten Halme sind sieben Jahre. Es ist EIN Traum. Die sieben mageren und schlechte Kühe sind sieben Jahre, genauso wie die sieben leere und durch den Ostwind ausgedörrte Getreidehalme. Es werden nämlich sieben Jahre des Hungers entstehen. Aller Überfluss wird vergessen werden. Der Hunger wird das Land vernichten. Es wird eine große Hungersnot entstehen, die allen Überfluss wird vergessen lassen. Die Tatsache, dass Ihr Traum zwei Mal wiederholt wird, bedeutet, dass G“tt die Vorhersage in Kürze in Erfüllung gehen lassen wird.

 

Shabbat Shalom

© Oberrabbiner Raphael Evers | Raawi Jüdisches Magazin

Foto: © Julius Schnorr von Carlosfeld | 1860