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Warum beginnt die Tora mit unseren Erzvätern?

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Mein Sohn war verblüfft über die Aktualität unserer Weisen in der talmudischen Literatur von vor 1800 Jahren. Der bekannte Erklärer Raschi (1040-1105) zitiert daraus – in seinem allerersten Kommentar zur Tora – eine berühmte Aussage von Rabbi Isaac.

Rabbi Isaac fragt sich, warum die Tora mit der Schöpfungsgeschichte beginnen muss. Die Tora ist im Grunde ein Buch mit Vorschriften darüber, wie wir leben sollen. Wir sollen nur koschere Tiere essen, die wiederkäuen und gespaltene Hufe haben. Wir müssen jeden Tag beten und Tora lernen (die Bibel studieren), wir müssen den Schabbat einhalten, jeden Tag die Tallit, Gebetskleidung beim Gebet tragen und jeden Tag unsere Tefillin, die Gebetsriemen, anlegen. Wir dürfen keine Wolle und kein Leinen in einem Kleidungsstück tragen und in der Küche müssen wir Milchprodukte von Fleischprodukten getrennt halten. Am Pessachfest essen wir Mazzes und Bitterkraut, und alle aufgegangenen Produkte müssen aus dem Haus geräumt werden.

 

Wenig Relevanz für das tägliche Judentum

Diese praktischen Regeln sind die Gebote für das tägliche Leben, die das Wesen des Judentums ausmachen. Warum also, so fragt Rabbi Isaac, muss die Tora mit der Geschichte von Adam und Eva, der Schlange im Paradies und der Geschichte der Erzväter Abraham, Isaac und Jakob beginnen, die schließlich in der Sklaverei in Ägypten endet? Das sind natürlich interessante Episoden, aber sie haben nichts mit dem Judentum als solchem zu tun.

 

Ihr seid Räuber, weil ihr das biblische Land besetzt habt

Rabbi Isaacs Antwort lautet, dass die Völker eines Tages sagen werden: Wir haben kein Recht auf das gelobte und heilige Land. Dieser „eine Tag“ ist jetzt. Die vereinigten Nationen, die derzeit in den United Nations versammelt sind, werden sagen: „Ihr seid Räuber, denn ihr habt das Biblische Land besetzt“ (freie Übersetzung). Jeder, der die Bibel gelesen hat, wird bemerkt haben, dass sehr oft erwähnt wird, dass das Land Israel unseren Vorfahren versprochen wurde. In der Tora selbst, aber auch bei den späteren Propheten, wird immer wieder betont, dass das jüdische Volk ins Exil geht, aber eines Tages nach Israel zurückkehren wird. Dies geschieht in diesem Augenblick. Israel wächst und gedeiht trotz aller Unterdrückung und Feindseligkeit seiner Nachbarn.

 

UN-Kommission fordert von Israel die Zerstörung seines angeblichen Atomwaffenarsenals

Daran wurde ich erinnert, weil diese Worte von Rabbi Isaac gerade jetzt immer mehr an Relevanz gewinnen. Bei den Vereinten Nationen werden in schöner Regelmäßigkeit Resolutionen gegen den jungen jüdischen Staat verabschiedet. Viele unserer Nachbarn mögen gegen ihren Willen Frieden oder einen Waffenstillstand mit dem jüdischen Land geschlossen haben, aber jeder hier in der Region weiß, dass viele unserer Nachbarn – sobald sie die Gelegenheit dazu bekommen – uns ins Meer treiben wollen. Kaum jemand im Nahen Osten bestreitet, dass sie uns lieber verlieren würden, als reich zu sein, um es nett auszudrücken. Die ständigen Angriffe auf Israel sind entweder offenkundig oder trivial.

Aber jetzt platzt mein Kloß im Hals wirklich. Während der Iran seine Atomwaffen vorbereitet und Israel und Amerika regelmäßig damit bedroht, müssen wir unsere angeblichen Atomwaffen aufgeben.

Die jüngste Resolution des UN-Ausschusses für Abrüstung und internationale Sicherheit wurde mit einer überwältigenden Mehrheit von 152 Ja-Stimmen bei fünf Gegenstimmen verabschiedet. Auch der Iran stimmte dafür. Amerika, Israel, Kanada, Mikronesien und Palau stimmten dagegen. Alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben sich der Stimme enthalten.

Angebliches Arsenal bleibt notwendig

In dieser Resolution wird gefordert, dass Israel dem Atomwaffensperrvertrag (NPV) beitritt. Israel muss sich unverzüglich verpflichten, keine Atomwaffen zu entwickeln oder anderweitig zu erwerben und der Überwachung durch die IAEA zuzustimmen. Israel hat nie zugegeben, dass es Atomwaffen besitzt. Israel ist klug genug, darüber zu schweigen. Ein atomwaffenfreier Naher Osten ist sicherlich eine schöne Utopie. Doch solange Israels Erzfeinde den jüdischen Staat weiter untergraben, haben wir keine andere Wahl, als einige angebliche Atomwaffen zu besitzen.

Antizionismus als Deckmantel für Antisemitismus

Israel wird weltweit ständig von allen Seiten der Besatzung, der Apartheid, der Diskriminierung, des Kindermords und des Terrors beschuldigt. Es gibt kein Land auf der Welt, dessen Existenzrecht so vehement bestritten wird wie Israel. Wie meine verstorbene Mutter selig zu sagen pflegte: Antizionismus ist der Deckmantel des Antisemitismus. Leider brauchen wir ein wahrgenommenes Arsenal.

© Oberrabbiner Raphael Evers

Armin Levy

Gründer und Chefredakteur von Raawi Verlag