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Ermüdet von der langen Reise, beklagt sich das Volk bei G“tt über Mosche. Es herrscht große Unzufriedenheit über das Manna. Da wurde das Volk von feurigen Schlangen angegriffen. Viele starben. Das Volk gelangte zur Einkehr und bat Mosche, zu G“tt zu dawwenen, um es zu schützen. G“tt sagte zu Mosche, er sollte eine kupferne Schlange fertigen und diese an die Spitze eines Stabes befestigen. Jeder, der den Stab sehen würde, würde an Leben bleiben.

 

Logo der WHO, der Weltgesundheitsorganisation

Im Logo der WHO, der Weltgesundheitsorganisation, befindet sich der Aesculap im Zentrum, aber auch Ärzte und Apotheken verwenden die kupferne Schlange aus der Parscha von dieser Woche. Die kupferne Schlange von Mosche Rabbejnu diente zur Genesung. Wenn man von einer Schlange gebissen wurde, schaute man zur Schlange, die sich um einen Pfahl wand und gesundete. König Chiskia vernichtete die Schlange auf dem Pfahl, die diese vergöttert wurde, also einen Götzen verkörperte.

 

Wenn jeder, der gebissen wird, sie sehen wird, wird er leben

Nach der Plage mit den giftigen Schlangen wegen der Beschwerden über das Manna „sprach G“tt zu Mosche: fertige eine giftige Schlange und befestige sie auf eine Stange. Wenn jeder, der gebissen wird, sie sehen wird, wird er leben. Mosche erstellte eine kupferne Schlange, befestigte sie auf eine Stange; wenn die Schlange jemanden gebissen hatte, dann schaute dieser intensiv zur kupfernen Schlange und blieb am Leben“ (Bemidbar/Numeri 21:8-9).

 

Die kupferne Schlange wurde für einige zur schwarzen Magie

Diese kupferne Schlange von Mosche wurde im Laufe der Geschichte vergöttert. Zu Zeiten des rechtschaffenen Königs Chiskia wurde die kupferne Schlange durch diesen König von Jehuda vernichtet, da man für dieses kupferne Bildnis Weihrauchopfer erbrachte (Melachim/Könige II: 18:3-4). Die kupferne Schlange wurde für einige zur schwarzen Magie. Die Grenze zum Erlaubten wurde überschritten.

 

eine breitere genesende Wirkung als nur Schlangenbisse

Es steht zwei Mal dasselbe, aber doch etwas anders. Zuerst steht da „jeder, der gebissen wird, wird leben“. Danach steht da “wenn die Schlange jemanden gebissen hatte, dann blieb er am Leben“. Es scheint so zu sein, dass die kupferne Schlange eine breitere genesende Wirkung hatte, als nur Schlangenbisse. Im ersten Satz steht geschrieben, dass jeder gebissene, der die kupferne Schlange sah, genesen wurde. Aber im zweiten Satz steht, dass wenn jemand von einer Schlange gebissen wurde, er intensiv zur kupfernen Schlange schauen sollte, um zu genesen.

 

Kann eine kupferne Schlange über Leben und Tod entscheiden?

Aber konnte eine kupferne Schlange denn Tod oder Leben verursachen, fragen unsere Weisen? Natürlich nicht. Aber wenn die Juden sich bei der Betrachtung der Schlange auf G“tt konzentrierten, unterwarfen sie sich ihrem Vater im Himmel, und sie konnten genesen. Wenn nicht, dann darbten sie dahin“. So der Talmud (B.T. Rosch Haschana 29a).

 

zwei Arten von Bissen

Raschi erklärt, dass es zwei Arten von Bissen gibt. Der Schlangenbiss wird im zweiten Sinne ausdrücklich in der Thora genannt. Der erste Sinn bezieht sich auf Menschen, die von anderen Tieren gebissen sind oder werden, obwohl das nicht ausdrücklich vermerkt wird. Schlangenbisse sind jedoch tödlicher. Deshalb sollte das Opfer einer Schlange mit viel mehr Andacht auf die kupferne Schlange schauen. Bei einem Biss eines Hundes oder eines Esels brauchte man nur mal hin zu schauen. Aber weshalb findet Raschi, dass hier auch über Menschen gesprochen wird, die durch andere Tiere gebissen wurden?

 

Keine schwarze Magie

Rabbi Avigdor Bonscheck erklärt dieses. Um zu erläutern, weshalb nicht nur die Schlangenplage beschworen wurde, sondern auch andere Krankheiten, zitiert Raschi eine etwas mehr philosophische Erklärung aus dem Talmud. In dieser erläutert er, dass es sich hier nicht um schwarze Magie handelt. Diese ist im und durch das Judentum verboten. Die kupferne Schlange war nur ein Mittel, um unsere Andacht auf den Herrn Heiler der Welt, Der als Einziger alles Fleisch heilt, zu richten.

 

Weshalb handelt es sich hier um das Gebet? Da hier kurz davor über das Dawwenen (das Beten) gesprochen wird. Nach den Beschwerden über das Manna sandte G“tt giftige Schlangen. Viele starben. Da kam das Volk zu Mosche. Sie gaben zu, dass sie gesündigt hatten, da sie gegen G“tt und Mosche gesprochen hatten. Ihre Bitte lautete: „Bitte zu G“tt, dass ER die Schlangen entfernt. Mosche dawwente für das Volk“. Dieser Satz steht kurz vor der Anweisung der kupfernen Schlange. Aber als die Menschen zu G“tt dawwenen möchten, weshalb erteilt G“tt ihnen dann die Anweisung, um so eine heidnische Schlange an zu fertigen?

 

Der Höhepunkt von Nicht-Körperlichkeit

Awraham führte nicht nur den Monotheismus ein, sondern auch den Begriff eines nicht körperlichen G“ttes, Der die höchste Abstraktheit bildet, Der Der Höhepunkt von Nicht-Körperlichkeit ist. Als G“tt Sich offenbarte, „sahen wir keine Abbildungen“(Dewarim/Deut. 4:15). Jeder benötigt jedoch eine Art von Bildvorstellung. Wir sind an unsere Sinne gebunden. Abstrakte Ideen sind schwierig. Wir können uns hierbei nichts vorstellen.

 

Gebete wirken allgemein

Dieses wird nach der Sünde des Goldenen Kalbes klar. Das Volk wollte einen „Gott, der von ihnen ausging“. Deshalb erhielten die Juden auch einen Mischkan (Tabernakel) zum Anfassen. Aber es darf nicht mehr, als das, sein. Alle erfassbare oder zu berührende Symbole des Judentums deuten auf etwas Höherem, etwas mehr zu sein, als dieses. Möchte man sich auf das Höhere konzentrieren, benötigt man etwas Berührbares als Sprungbrett zur abstrakten Welt. Die kupferne Schlange richtete die Augen des Volkes auf G“tt. Gebete wirken allgemein. Deshalb stehen hier mehr Krankheiten als nur Schlangenbisse.

 

Author: © Oberrabbiner Raphael Evers | Raawi Jüdisches Magazin