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An Festtagen wird in Deutschland beim Morgengebet und beim Mussaf-Gebet der Priestersegen gesagt, wie dieser diese Woche in Bamidbar 6:24-26, beschrieben wird.

 

viele Vorschriften und Bräuche

Im Talmud und in der Halacha werden viele Aspekte des Birkat-Kohanim, des Priestersegens, thematisiert. Es gibt auch viele Dinim (Vorschriften) und Minhagim (Bräuche).

 

Bnej Edot Hamisrach und Aschkenasim

Bei den Bnej Edot Hamisrach in Israel ist es der Brauch, dass die Kohanim das Volk jeden Tag segnen. Bei den Aschkenasim gilt das Gleiche, mit Ausnahme von Haifa und anderen Städten im Galil, wo die Kohanim das Volk nur zu Mussaf (extra Gebet) an Schabbat, zu Rosch Chodesch (Neumondtag), an Jom Tov (Feiertagen) und an Chol Hamo’ejd (Zwischentage) segnen.

 

Bei Retzej: der Kohen in Richtung des Duchan

Jeder Kohen, der in der Synagoge anwesend ist, hat sich die Hände zu waschen, bevor der Chasan die Beracha von Retzej anfängt. Sobald der Chasan die Beracha von Retzej beginnt, hat sich der Kohen in Richtung des Duchan (der Empore, von wo gesegnet wird) zu begeben. So lange, bis der Chasan noch nicht bei den Wörtern „hamachasir Schechinato leZion“ angelangt ist, darf der Kohen zum Duchan gehen. Hat der Chasan die Wörter „hamachasir Schechinato leZion“ ausgesprochen und der Kohen ist noch nicht in Richtung des Duchan gegangen, darf er das Volk nicht mehr segnen.

 

Zu spät? Nicht mehr duchenen!

Wenn die Kohanim ihre Hände waschen gegangen sind, als der Chasan noch nicht bei den Wörtern „hamachasir Schechinato leZion“ angelangt war, aber erst nach diesen Wörtern in Richtung des Duchan angefangen haben, zu gehen, dürfen sie nicht mehr duchenen.

Deshalb ist es seitens des Chasan (Vorbeter) vernünftig – wenn er sieht, dass die Kohanim noch nicht beim Duchan angekommen sind – etwas langsamer vor zu dawwenen (beten), wenn zu befürchten sei, dass die Kohanim es sonst nicht schaffen würden.

 

Psukim (Sätze) vorlesen

Der Chasan tut gut daran, die Psukim (Sätze) des Birkat Kohanim den Kohanim laut vorzulesen oder zu sprechen und das nicht leise zu machen.

 

Gesicht in Richtung der Kohanim

Beim Duchenen stehen alle am G“ttesdienst teilnehmenden Beter mit dem Gesicht in Richtung der Kohanim. Wenn es in der Synagoge keine Kohanim gibt und der Chasan den betreffenden Teil mit dem Birkat Kohanim ausspricht, braucht man nicht zu stehen. Einige sagen jedoch, dass es trotzdem gut sei, hierbei auch zu stehen.

 

im Achtzehngebet antwortet man nicht mit Amen

Wenn man sich in der Schemone Esrej (im Achtzehngebet) befindet, hält man mit dem Dawwenen (beten) inne und hört andächtig dem Birkat Kohanim zu, aber man antwortet nicht mit Amen.

 

Der Chasan und Ameen

Der Chasan selber spricht auf das Birkat Kohanim kein Ameen. Wenn der Chasan aus einem Siddur vordawwent (vorbetet) und er davon überzeugt ist, dass er nach den Antworten von Ameen weiter dawwenen kann und nicht durcheinandergerät, darf er mit Ameen auf die drei Berachot aus dem Birkat Kohanim antworten, aber nicht auf die Beracha „Ascher kiddeschanu bikeduschato“. Die Bnei Edot Hamisrach sprechen selbst auf die Berachot aus dem Birkat Kohanim kein Ameen.

 

Jijaschejr Kochaga oder Chasak Baruch

Nachdem die Kohanim das Birkat Kohanim ausgesprochen haben, ist es Minhag (Brauch), dass man den Kohanim Jijaschejr Kochaga oder Chasak Baruch wünscht.

 

Finger spreizen, wie die Kohanim

Es ist erlaubt, mit den Händen zu zeigen, wie die Kohanim ihre Finger beim Birkat Kohanim spreizen, aber es ist nicht erlaubt, die Hände nach oben zu strecken und die Finger genauso zu spreizen, wie die Kohanim das während des Birkat Kohanim machen.

 

Author: © Oberrabbiner Raphael Evers | Raawi Jüdisches Magazin