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In dieser Woche sollte die Stimmung jubelnd sein: Nach anderthalb Jahren Abriegelung und Einschränkung der Gemeindeaktivitäten sollten Rabbiner aus ganz Europa zu einer Konferenz zusammenkommen, um von einem jüdischen Leben nach der Pandemie zu träumen.

Stattdessen veranlasste die steigende Zahl der COVID-19-Fälle die Konferenz der europäischen Rabbiner, eine dreitägige Veranstaltung, abzusagen.Der Anstieg der Fälle in ganz Europa, vor allem aber in Deutschland und Österreich, hat den Hoffnungen auf eine dauerhafte Überwindung der Pandemie einen Dämpfer versetzt. Nachdem der letzte Lockdown in München im Mai zu Ende gegangen war, hatten viele Gemeindeverantwortliche in die Wiederbelebung der kommunalen Aktivitäten investiert. Jetzt bereiten sich die Einwohner darauf vor, Chanukka allein zu feiern und fragen sich wieder einmal, was die Zukunft bringt.

Aber die Bedingungen für die jüdische Gemeinde in München, die mit rund 9.500 Mitgliedern nach Berlin die zweitgrößte in Deutschland ist, sind jetzt besser als zu Beginn der Pandemie.  Wie an vielen anderen Orten, an denen die Verfügbarkeit von Impfstoffen die Risiken der Pandemie verändert hat, sind jetzt viele Einrichtungen mit Vorsichtsmaßnahmen geöffnet. Gemäß einer in der vergangenen Woche erlassenen Anordnung der Regierung sind Impfbescheinigungen für die Einreise erforderlich, und die Masken werden daraufhin überprüft, ob sie dem strengen FFP2-Standard entsprechen. Kürzlich wurde eine ausländische Besucherin abgewiesen, weil ihre Maske minderwertig war.

Auch die Synagogen sind geöffnet, zumindest im Moment.

In der Ohel Jakob, einer von zwei Synagogen, die nicht nur am Schabbat, sondern auch an Wochentagen Gottesdienste abhalten, waren kürzlich 30 Männer anwesend – eine überdurchschnittlich große Zahl, da die Mitglieder mögliche Einschränkungen fürchten.

 

Rabbiner

 

Derzeit dürfen Gotteshäuser weiter betrieben werden, wenn sie sich an die Abstandsregeln halten. Doch eine baldige Schließung von Gotteshäusern und anderen Versammlungsorten scheint in Bayern durchaus möglich.

Am Montag ordnete der bayerische Ministerpräsident Markus Söder die Schließung aller Bars, Clubs und Live-Veranstaltungen für mindestens drei Wochen ab dem 24. November an. Der berühmte Münchner Weihnachtsmarkt wurde letzte Woche abgesagt, während die Konferenz der europäischen Rabbiner beschloss, ihre Tagung zu verschieben.

Die in Deutschland angewandten Maßnahmen sind laxer als im benachbarten Österreich, welches letzte Woche ankündigte, dass es als erste Demokratie Europas eine Impfpflicht für alle erwachsenen Bürger einführen wird. Deutschland und Österreich gehören zu den Ländern mit den niedrigsten Impfraten in Westeuropa, auch wenn ihre Raten höher sind als die der Vereinigten Staaten.

Die Verbreitung der Krankheit in Verbindung mit der relativ großen Zahl ungeimpfter Erwachsener bedeutet, dass in Deutschland in den kommenden Monaten mit vielen schweren Erkrankungen und Todesfällen zu rechnen ist.

“Die aktuelle Pandemiesituation in Deutschland ist dramatisch, anders kann ich es nicht sagen”, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel letzte Woche. “Die vierte Welle trifft unser Land mit voller Wucht.”