In der Parscha (Leviticus Hauptabschnitt 10) lesen wir eine Angst einflößende Geschichte…Der große Tag der Einweihung des Mischkan, des Tempels, der seinen Standort ändern konnte, war angebrochen! Eine lange Zeit der Vorbereitung war hierzu vorher erforderlich: Bauen, polieren, befestigen, weben, färben, um nur einige der Vorbereitungstätigkeiten zu erwähnen. Auch das Lernen, wie der Dienst dann zu erfolgen hätte – es war alles neu und von einem Empfinden von Heiligkeit, von einem Hereinholen der G“ttlichen Anwesenheit auf Erden umgeben.

 

zwei Söhne des Hohepriesters fanden auf der Stelle den Tod

Und dann, plötzlich, entschieden zwei Söhne des Hohepriesters Aharon, ein eigensinniges Opfer zu erbringen. Die G“ttliche Reaktion war unmittelbar und unerbittlich: sie fanden auf der Stelle den Tod…

Wie musste Aharon sich fühlen…? Die Thora erzählt uns, dass er schweigt. Übermenschlich!!

 

ausschließlich Aharon erhält die Prophetie von G“tt

Einige Sätze weiter sehen wir eine Wendung, die nirgends in der Thora vorkommt. G“tt schreibt ein Gebot für das gesamte Jüdische Volk vor, spricht aber nur mit Aharon darüber. Die Mehrzahl der Gebote erfolgen über eine Offenbarung an Mosche, bei einer kleineren Anzahl erfolgt die Offenbarung an sie beide, aber das ausschließlich Aharon die Prophetie von G“tt erhält, ist eine einmalige Erscheinung.

Unsere Gelehrten erklären, dass das der Trost für Aharon gewesen sei.

 

anscheinend kennen wir die G“ttliche Nähe nicht

Ein Außenstehender würde dieses als einen nicht wirklichen Trost empfinden können…Die alles überschattende Trauer über zwei Söhne wird auf diese Weise kompensiert? Und meine Antwort ist: anscheinend kennen wir die G“ttliche Nähe nicht! Hätten wir das Vorrecht gehabt, jemals auf eine ähnliche Weise eine unmittelbare Prophetie zu erhalten, würden wir es vielleicht verstehen können, was wir jetzt nicht tun.

Die Unendlichkeit G“ttes und Seine allumfassende Liebe können wir uns als einfache Sterbliche nicht gut vorstellen. Aber ich bin davon überzeugt, dass dieses tatsächlich eine Kompensation für Aharon war – in seinem Schmerz ist er nicht mehr allein. G“tt ist nahe.

 

Die Geborgenheit und die Sicherheit der elterlichen Nähe erfüllen das Ziel

Es ist wie ein Kind, dass Kummer oder Schmerzen hat. Es weiß nicht, was es unternehmen sollte, wohin zu gehen, woher seinen Trost herholen! Wenn die Eltern das Kind in die Arme nehmen, benötigen sie oft den Grund seines Kummers nicht mal zu wissen. Die Nähe der Eltern verleiht dem Kind den Trost, die Beruhigung, die es benötigt. Die Geborgenheit und die Sicherheit der elterlichen Nähe erfüllen das Ziel.

 

die tiefgehende Essenz der Strafe der Schlange im Paradies

Und dieses ist die tiefgehende Essenz der Strafe der Schlange im Paradies: G“tt sprach zu ihr: „Du wirst Staub essen“. Was ist da Schlimmes dran? Staub gibt es ja überall! G“tt sagte: ICH gebe Dir, was Du möchtest, aber wende Dich nicht an MICH, um etwas zu erfragen oder um zu bitten…ICH verweigere jede Nähe zu Dir!

So hat der Psalmist es in den Psalmen 73:28 beschrieben: „Die Nähe G“ttes tut mir gut“. Besser, als was auch immer“

 

Author: © Oberrabbiner Raphael Evers | Raawi Jüdisches Magazin