Metro entschuldigt sich bei J. K. Rowling für falschen Vorwurf der Holocaustleugnung

J. K. Rowling vor einer Collage aus Zeitungsseiten und einer Druckmaschine; ein rot durchgestrichener Text symbolisiert den zurückgenommenen Vorwurf der Holocaustleugnung.
Lesezeit: 3 Minuten

Die britische Zeitung Metro hatte J. K. Rowling in einem Onlineartikel als Holocaustleugnerin bezeichnet. Nach einer ersten Korrektur folgte nun eine unmissverständliche Entschuldigung: Der Vorwurf sei falsch gewesen und hätte niemals veröffentlicht werden dürfen.

Die britische Zeitung Metro hat sich erneut bei der „Harry Potter“-Autorin J. K. Rowling entschuldigt. In einem am 25. August veröffentlichten Artikel hatte das Blatt behauptet, Rowling habe sich an der Leugnung des Holocaust beteiligt. Nun stellte die Redaktion klar: Die Anschuldigung war falsch.

Der ursprüngliche Beitrag befasste sich mit Veränderungen in der Besetzung der geplanten „Harry Potter“-Fernsehserie und griff dabei auch die seit Jahren gegen Rowling erhobenen Vorwürfe der Transfeindlichkeit auf. In diesem Zusammenhang erschien die Behauptung, die Schriftstellerin habe den Holocaust geleugnet – nicht als Zitat oder als umstrittene Einordnung, sondern als vermeintliche Tatsache.

Mehr als 18 Stunden blieb die Formulierung online. Erst nachdem sie in den sozialen Netzwerken zunehmend Aufmerksamkeit erregt hatte, entfernte die Redaktion die Passage.

Erste Korrektur reichte offenbar nicht aus

Am 26. August versah Metro den Beitrag zunächst mit einem Korrekturhinweis. Darin erklärte die Zeitung, eine frühere Fassung habe Rowling fälschlicherweise Holocaustleugnung zugeschrieben. Zugleich verwies die Redaktion auf eine Kontroverse aus dem März 2024, in deren Verlauf die Autorin auf der Plattform X beschuldigt worden war, Aspekte der nationalsozialistischen Verfolgung zu bestreiten.

Auch die Namen der beiden ursprünglich genannten Autoren wurden aus dem Beitrag entfernt. Eine ausführliche, eigenständige Entschuldigung folgte zwei Tage später und war über die Startseite von Metro erreichbar.

Darin erklärte die Zeitung ausdrücklich, Rowling sei keine Holocaustleugnerin und habe den Holocaust nie geleugnet. Der Vorwurf werde uneingeschränkt zurückgenommen. Zugleich entschuldigte sich das Blatt „aufrichtig“ für den schwerwiegenden Fehler, wie die britische Jewish News berichtete.

Ursprung des Vorwurfs liegt im Jahr 2024

Die Anschuldigung geht auf eine erbittert geführte Debatte über die Verfolgung von transgeschlechtlichen Menschen während der NS-Zeit zurück. Rowling widersprach damals unter anderem der Darstellung, trans Menschen seien die „ersten Opfer“ oder die ersten Zielscheiben des nationalsozialistischen Regimes gewesen. Kritiker warfen ihr daraufhin vor, die Verfolgungsgeschichte transgeschlechtlicher Menschen grundsätzlich zu bestreiten.

Dass die Nationalsozialisten gegen Menschen vorgingen, die nicht ihren Vorstellungen von Sexualität und Geschlecht entsprachen, ist historisch belegt. Zu den frühen Zielen des Regimes gehörte das von dem jüdischen Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld gegründete Institut für Sexualwissenschaft in Berlin. Nationalsozialisten plünderten das Institut im Mai 1933, zerstörten seine Archive und verbrannten einen Teil der Bestände. Das United States Holocaust Memorial Museum dokumentiert sowohl den Angriff als auch die Feindschaft der Nationalsozialisten gegenüber Hirschfelds Forschungen zu Sexualität und Geschlechtsidentität.

Der historische Befund und die Frage, wie einzelne Äußerungen Rowlings zu bewerten sind, wurden in der öffentlichen Auseinandersetzung jedoch zunehmend miteinander vermischt. Rowling selbst bezeichnete den Vorwurf, sie sei eine Holocaustleugnerin, bereits im März 2024 als „haltlos und widerwärtig“. Sie verwies darauf, sich wiederholt gegen Antisemitismus und für die jüdische Gemeinschaft ausgesprochen zu haben. Ihre damalige Stellungnahme richtete sich insbesondere gegen die Behauptung, ihre Kritik an bestimmten Darstellungen der NS-Verfolgung komme einer Leugnung des Holocaust gleich.

Auch Rivkah Brown, damals Redakteurin des britischen Onlinemagazins Novara Media, hatte Rowling öffentlich als Holocaustleugnerin bezeichnet. Im April 2024 nahm sie die Aussage zurück und entschuldigte sich. Die Anschuldigung sei „falsch und beleidigend“ gewesen.

Ein Begriff von besonderem historischem Gewicht

Die erneute Entschuldigung von Metro berührt mehr als eine Auseinandersetzung um J. K. Rowling. Sie zeigt, wie schnell schwerwiegende Begriffe aus politischen Debatten und sozialen Netzwerken ungeprüft in journalistische Berichterstattung gelangen können.

Holocaustleugnung bezeichnet keine beliebige umstrittene oder historisch ungenaue Aussage über die Zeit des Nationalsozialismus. Nach der Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance geht es um die Leugnung oder bewusste Verfälschung der historischen Realität und des Ausmaßes der nationalsozialistischen Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden.

Gerade deshalb verlangt ein solcher Vorwurf besondere Sorgfalt. Wer ihn ohne belastbare Grundlage als Tatsache veröffentlicht, beschädigt nicht nur die betroffene Person. Er trägt auch dazu bei, einen historisch klar umrissenen Begriff zum Schlagwort eines gegenwärtigen Kulturkampfes zu machen. Die deutliche Entschuldigung von Metro war daher notwendig – die ursprüngliche Veröffentlichung hätte es dennoch nie geben dürfen.

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