Lesezeit: 2 Minuten

HAFTARA: Die zweite Strafprophezeiung: Jirmijahu 2:4-28; 3,4; 4,1-2

2:4 „Höret das Wort von HaSchem, G“tt, Dein Haus von Ja’akov, und alle Familien des Hauses Israel!“.

Jirmijahu ruft sowohl das Haus von Ja’akov wie das Haus Israel auf. Mit dem Haus von Ja’akov sind die Frauen gemeint und mit dem Haus von Israel die Männer. In der frühesten Geschichte des Jüdischen Volkes waren es gerade die Frauen, die standhaft hinter HaSchem standen. So weigerten sie sich, Gold für das Goldene Kalb zu spenden, aber zu Zeiten von Jirmijahu war ihnen diese Ebene von Standhaftigkeit und Aufopferung wieder verloren gegangen. Auch und gerade die Frauen opferten den Götzen Räucherwerk. Der gesamte Tenach ist eine Geschichte der andauernden Verführung zu allem, was gegen das Judentum anstürmt, wonach die Juden von einem Propheten gehörig auf ihr Fehlverhalten zu Recht gewiesen wurden.

 

Jirmijahus Prophezeiungen wurde nirgends mit Begeisterung zugehört

Es bedarf keinen Beweis dafür, dass den Prophezeiungen von Jirmijahu nirgends mit Begeisterung zugehört wurde, weder durch die einfachen Bürger, noch in Hofkreisen. Die Rollen mit den Aussagen von Jirmijahu wurden durch den König verbrannt und er durfte den Tempel nicht mehr betreten.

Jirmijahu hatte einen Schüler, Baruch ben Nerija, der eine neue Rolle schrieb. Baruch las diese dem Volk vor. Aber es hatte keinerlei Auswirkung mehr. Jeruschalajim wurde zerstört und letztendlich flüchtete Jirmijahu nach Ägypten.

 

vehementer Kritiker

Jeremia ist einer der sogenannten „großen Propheten“, wurde in Anatot (im Norden von Jeruschalajim) geboren und lebte im Zeitraum, kurz vor der Zerstörung des Ersten Tempels. Er ist als ein vehementer Kritiker der moralischen und geistigen Haltung der gutbürgerlichen Gesellschaft bekannt und hat enorm viele Anmerkungen zur herrschenden Klasse im Land Judäa gemacht. Dieser geistige Absturz und Verfall werden zur Zerstörung des Tempels führen. Nach der Zerstörung von Jeruschalajim begaben die Juden sich nach Babylonien ins Exil.

2:5 „So spricht HaSchem: Was für Unrecht ist Eueren Ahnen bei MIR begegnet, dass sie sich weit von MIR entfernt haben? Sie sind Unsinn hinterher gerannt und sind zu Unsinn geworden“.

Es lautet nicht „Du wirst, was Du isst“, sondern vielmehr „Du wirst zu dem, womit Du Dich den ganzen Tag beschäftigst“. Wenn Du Dich den ganzen Tag mit bedeutungslosen Dingen beschäftigst, trägt das wenig zu Deinem geistigen Wachstum bei.

Dieses ist eine aktuelle Prophezeiung. Auch wir haben mit dem Judentum Mühe, da wir andauernd von allerhand Informationen überflutet werden, die uns über das Judentum nicht immer positiv denken lassen. Auf diese Weise entfernen wir uns vom Inhalt und Bedeutung unseres Glaubens und werden von allerhand Dingen beeinflusst, die uns nun nicht geradeaus ins Judentum einbeziehen, leider!

 

Author: © Oberrabbiner Raphael Evers | Raawi Jüdisches Magazin

Foto: Jeremia beklagt die Zerstörung Jerusalems | © Rembrandt