An Tzom Gedaliah fasten wir  von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Mit dem Gedenken an den tragischen Tod von Gedalja, Gouverneur von Judäa, beginnt der Tag mit einer besonderen Selichot-Liturgie

Historischer Hintergrund

Nachdem die Babylonier 3338 (423 v. Chr.) den Heiligen Tempel in Jerusalem zerstört und viele Juden ins Exil geschickt hatten, ernannten sie Gedaliah ben Achikam zum Stadthalter der verbliebenen Juden im Heiligen Land. Juden, die in die umliegenden Länder Ammon, Moab und Edom geflüchtet waren, hörten von seiner Ernennung und kehrten nach Judäa zurück, um sich seiner Gruppe – dem letzten Rest des einst mächtigen Judäa – anzuschließen. Unter seiner weisen und frommen Führung ackerten, pflanzten und kultivierten sie und brachten das verwüstete Land wieder in Ordnung.

Noch vor Rosch Haschana 3339 erhielt Gedalja die Nachricht, dass ein gewisser Ismael ben Netanja, eifersüchtig auf seine Machtposition und unzufrieden mit seinem taktischen Bündnis mit den Babyloniern, plante, ihn zu töten und sich die Führung anzueignen. Doch der vertrauensvolle Gedalja weigerte sich zu glauben, dass Ismael verräterisch handeln würde, und hielt diejenigen zurück, die Ismael töten wollten.

In Rosch Haschana kam Ismael mit zehn Männern zu Gedalja, angeblich um den Feiertag mit ihm zu feiern. Während sie zusammen aßen, standen Ismael und seine Männer auf und töteten Gedalja, ebenso wie alle anderen jüdischen Männer und babylonischen Soldaten, die anwesend waren.

Auf diesen Verrat folgte weiteres Blutvergießen. Er veranlasste die Juden auch, nach Ägypten zu fliehen, wodurch die Aussichten auf eine jüdische Ansiedlung im Heiligen Land bis zur Rückkehr der babylonischen Exilanten im Jahr 3390 (371 v. Chr.) praktisch zunichte gemacht wurden.1 Das babylonische Exil war also absolut, und Judäa wurde seiner Kinder beraubt.
Das Fasten

Im Gedenken an Gedaljas tragischen Tod und seine katastrophalen Folgen fasten wir jedes Jahr am 3. Theiß, dem Tag nach Rosch Haschana.2 Wenn der 3. Theiß am Schabbat ausfällt, wird das Fasten auf den 4. Theiß verschoben. Wie andere “kleine” Fastenzeiten beginnt es in der Morgendämmerung (viel Haschachar) und endet bei Einbruch der Nacht.

Während des Morgengottesdienstes ist es üblich, besondere Selichot, Bußgebete, hinzuzufügen. Sowohl beim Morgen- als auch beim Nachmittagsgebet wird die Thora herausgenommen, und wir lesen den Abschnitt aus Exodus 32,11-14 und 34,1-10, in dem G-tt Israel die Sünde des goldenen Kalbes vergibt. Während der Nachmittagsgebete lesen wir auch eine Haftorah aus Jesaja 55,6-56,8.

Wie in Sacharja 8:19 geschrieben steht, ist Tzom Gedalja eine der vier Fastenzeiten, die mit der Ankunft Moshiachs in Freude und Feiern umgewandelt werden. Möge es bald geschehen.

 

Fastenzeiten :

Hamburg

Fastenbeginn: 05:12

Fastenende: 19:55

 

Berlin

Fastenbeginn:  05:01

Fastenende: 19:41

 

München

Fastenbeginn: 05:20

Fastenende: 19:44

 

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