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Veranstaltung: Zwei Welten. Sinti und Roma

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Zwei Welten. Sinti und Roma – Schritte zur Anerkennung als NS-Verfolgte und antiziganistische Kontinuität

Die Sinti und Roma, die den Völkermord durch das NS-Regime überlebt hatten, wurden in der Bundesrepublik Deutschland zumeist nicht als Verfolgte anerkannt, sondern waren weiterhin staatlicher und gesellschaftlicher Diskriminierung und Ausgrenzung ausgesetzt.

Antiziganismus war und ist in Deutschland Normalität, auch in Hamburg. Als Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte der Minderheit nach 1945 hat die Landeszentrale für politische Bildung in den letzten Jahren das Forschungs- und Publikationsprojekt „Zwei Welten“ des Landesvereins der Sinti in Hamburg gefördert und begleitet.

Das daraus entstandene Buch der Autoren Arnold Weiß, Jakob Michelsen, Moritz Terfloth und Boris Weinreich (Hg. Landesverein der Sinti in Hamburg e. V.) ist der Versuch einer Gegenüberstellung: Einerseits sollen die Fortschritte in der gesellschaftlichen Anerkennung der Sinti und Roma als NS-Verfolgte in den letzten Jahrzehnten gezeigt werden. Dem gegenüber steht die andauernde und systematische Ausgrenzung und Beforschung der Minderheit über 1945 hinaus. Für diese Kontinuität steht beispielhaft der Landauer Amtsarzt und Professor Hermann Arnold (1912–2005). Er trat das geistige Erbe von Robert Ritters Rassenhygienischer Forschungsstelle an, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während der NS-Zeit, unter anderem in Hamburg, Sinti und Roma beforscht und gequält haben und deren Forschungen die Grundlage für die anschließend erfolgten Deportationen bildeten. Arnold galt jahrzehntelang in der Bundesrepublik als maßgebender „Zigeunerexperte“ und führte die systematische Erfassung und rassistische Kategorisierung der Sinti und Roma weiter.

Das Buch zeigt anhand ausgewählter Dokumente aus Arnolds Nachlass im Bundesarchiv seine Netzwerke und die Kontinuität der NS-„Zigeunerforschung“ in der Bundesrepublik auf.

Buchvorstellung und Zeitzeugengespräch

Teilnehmende:

Arnold Weiß, Jakob Michelsen, Moritz Terfloth, Boris Weinrich und Jacques Delfeld

Jacques Delfeld ist Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Rheinland-Pfalz, er spricht über seine Erfahrungen mit Hermann Arnold und den Antiziganismus seit den 1970er Jahren.

Der Termin findet statt am:

Donnerstag, dem 2. Juni 2022 von 18:00 bis 19:30 Uhr | Tschaikowksy-Saal, Tschaikowskyplatz 2, 20355 Hamburg

 

 

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Armin Levy

Gründer und Chefredakteur von Raawi Verlag