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Vertiefung I: Wurde alljährlich in der Wüste ein Pessachopfer erbracht?

Es gab genügend gültige Gründe, um kein Korban Pessach, kein Pessachopfer während der späteren Jahre in der Wüste zu erbringen. Da sie während des ersten Jahres an EINEM feste Standort stationiert waren, konnten die Juden ihre Kinder beschneiden. Später waren sie andauernd unterwegs. Es könnte gefährlich gewesen sein, die Kinder einer Brith Mila, einer Beschneidung, zu unterziehen, da sie sich nicht über eine Anzahl an Ruhetagen, nach der Beschneidung, sicher sein können.

Kontinuierlich in Bewegung und kein nördlicher Wind

Da sie nie von vornhinein wussten, wann sie aufbrechen würden, konnten sie also keine Beschneidung durchführen. Ein Vater mit nichtbeschnittenen Kindern darf kein Korban Pessach, kein Pessachopfer erbringen. Deshalb konnten sie nach dem ersten Jahr in der Wüste keine Pessachopfer mehr erbringen. Außerdem blies der gesunde Nordwind nicht in der Wüste, weshalb es ungesund sein würde, die Brith Mila zu vollziehen.

Obwohl es für diese Aussetzung gute Gründe gab, war G“tt jedoch mit den Juden nicht sehr zufrieden. Durch ihre eigenen Sünden bedingt, wie die Beschwerden über das Manna und über das Wasser und der Episode über die Kundschafter, mussten sie länger in der Wüste bleiben. Auch den Nordwind erhielten sie nicht, da sie gesündigt hatten.

Die Mitglieder des Stammes Levi beschnitten ihre Kinder jedoch wohl, trotz der Gefahr. Deshalb konnten sie während der vierzig Jahre in der Wüste wohl die Pessachopfer erbringen.

 

Vertiefung II: Weshalb einen Pessach Scheni, eine Nachholmöglichkeit von Pessach?

„Jeder Mensch, sollte der unrein oder auf großer Fahrt sein, soll einen Pessach für Haschem, G“tt machen, im zweiten Monat am vierzehnten“ (Bamidbar 9: 10-11).

Man ist nicht nur zu einem zweiten Pessach berechtigt, wenn man unrein – und den Tempel nicht betreten durfte – oder weit weg war. Auch wenn man es unglücklicherweise oder absichtlich versäumt hat, das erste Pessachopfer zu erbringen, darf man das am zweiten Pessach Scheni – am zweiten Pessach, nachholen (B.T. Pessachim 93a).

 

Eine der Hintergründe dieser Mitzwa ist, dass das Pessachopfer für alle Weltbürger ein deutliches Zeichen ist, dass die Welt aus dem Nichts erschaffen wurde. Beim Auszug aus Ägypten machte G“tt deutliche Wunder für uns und hat in die Natur eingegriffen. Alle Weltbürger haben gesehen, dass der Einfluss und die Macht G“ttes sich selbst über dieses materielle Universum hinaus erstreckt. Beim Auszug aus Ägypten glaubte jeder wieder, dass G“tt die Welt erschaffen hatte. Dass die Welt neu sei, bildet eine wichtiges Glaubensbasis.

Deshalb wollte G“tt eine Nachholmöglichkeit. G“tt wollte nicht, dass wir durch Aufenthalt oder Übermacht nicht hieran würden teilnehmen können. Da das Verständnis über die Allmacht G“ttes so essenziell sei, ist auch jemand, der zwischen dem ersten und dem zweiten Pessach Bar Mitzwa (erwachsen) oder Jüdisch wird (Giur), verpflichtet, diese Mitzwa von Pessach Scheni zu erfüllen.

 

Vertiefung III: das Verhältnis zwischen dem ersten und dem zweiten Pessach

Über das Verhältnis zum ersten Pessach können wir drei Meinungen formulieren:

  1. man könnte behaupten, dass Pessach Scheni kein Nachholvorgang sei, sondern ein Chag, ein Fest an für sich. Die Thora besagt, dass am 14. Ijar für diejenigen, die am ersten Pessach, am 14. Nissan, noch kein Opfer erbracht haben, eine neue Verpflichtung entsteht.
  2. Auch ist es möglich, dass Pessach Scheni nur eine Nachholgelegenheit für Versäumnis oder Nachlässigkeit am ersten Pessach sei. Wenn man das erste Pessachopfer ausgelassen hat, ist man im Grunde genommen schon negativ tätig, „schuldig“. Die „Schuld“ bleibt jedoch „anhängig“, d.h. sie bleibt latent gegenwärtig, bis der versäumte erste Pessach nachgeholt wurde, indem man zu Pessach Scheni ein Opfer erbracht hat.
  3. Dann gibt es noch eine dritte Betrachtungsmöglichkeit, dass Pessach Scheni keine Nachholgelegenheit sei, sondern nur eine letzte Möglichkeit, um noch ein Korban (Opfer) für Pessach zu erbringen.

 

Vertiefung IV: Hintergründe der Nachholmöglichkeit von Pessach

Als der Monat Nissan im zweiten Jahr nach dem Exodus wieder in der Wüste hereinbrach, wiederholte Mosche die Vorschriften für Pessach. EINE der Vorschriften lautete, dass jemand, der unrein, tamej, sei, kein Korban Pessach, kein Pessachopfer, erbringen könne.

Eine Anzahl großer Tsaddikim, großer Geister, kamen zu Mosche und Aharon mit folgender Beschwerde: „Wir sind unrein, da wir den Sarg von Jossejf tragen. Können wir die Mitzwa, das Gebot von Korban Pessach, das Pessachopfer jetzt nicht machen, da wir im Namen der Gemeinde die Träger der Bahre sind und hierdurch unrein? Wir haben es nicht so nötig, das Fleisch vom Korban Pessach zu essen, aber könnte vielleicht ein Kohen das Opfer in unserem Namen erbringen?“

Mosche betrat den Mischkan, um die Angelegenheit vor G“tt zu bringen. Er erhielt damals die Vorschriften von Pessach Scheni, das zweite Pessachopfer zu hören.

 

Vertiefung V: Waren das erste und das zweite Pessachopfer vollkommen gleich?

Genauso, wie im Monat Nissan das erste Pessachopfer geschlachtet wird, soll auch das zweite Pessachopfer im zweiten Monat Ijar nachmittags geschlachtet werden. Das Fleisch sollte nachts gegessen werden, zusammen mit Matza und Maror. Man braucht jedoch keinen Chamejtz wegzuräumen, wie das beim echten Pessach zu erfolgen hat. Am 14. Ijar braucht man auch kein Arbeitsverbot zu berücksichtigen. Der erste Pessach dauert 7 (oder in Exil 8 Tage), der zweite Pessach nur einen Tag.

 

Hallel

Am ersten Pessach soll Hallel – ein Loblied aus dem Tenach – beim Verspeisen des Pessachopfers gesprochen werden, aber beim Pessach Scheni braucht das nicht. Bei der Zubereitung des Pessach-Fleisches jedoch verlangen beide Pessachim, dass Hallel gesprochen wird.

Das Pessach-Fleisch wird in beiden Fällen gebraten gegessen, mit Matzot und Maror, und es hebt die Schabbat-Verbote auf. Bei beiden Pessachopfern darf man vom Geopferten nichts übriglassen und keine Knochen brechen.

Heutzutage ist es ein Minhag (aber kein Deutscher) um am zweiten Pessach Matza zu essen.