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Neue Straßennamen in Ottensen erinnern an Frauen, die besonders unter dem NS-Regime gelitten haben

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Im neuen Quartier Kolbenhöfe in Ottensen werden Straßen unter anderem nach Lilly Giordano und Antonia Kozlova benannt. Damit wird an zwei Frauen erinnert,  die besonders unter dem nationalsozialistischen Regime gelitten haben. Auf Vorschlag des Bezirks Altona hat jetzt die zuständige Senatskommission die Benennung beschlossen. Die aktuellen Beschlüsse sind im Amtlichen Anzeiger veröffentlicht worden(www.luewu.de/docs/anzeiger/docs/2877.pdf).

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Mit der Benennung der Straßen nach Antonia Kozlova und Lilly Giordano werden im neuen Quartier Kolbenhöfe zwei Frauen geehrt, die während der NS-Zeit Verfolgung und Zwangsarbeit erleiden mussten. Lilly Giordano, Mutter von Ralph Giordano, durfte als Jüdin zuerst ihren Beruf nicht mehr ausüben, überlebte die Luftangriffe auf Hamburg und musste zuletzt Zwangsarbeit leisten. Antonia Kozlova protestierte gegen die unmenschlichen Lebensbedingungen der Zwangsarbeiterinnen in den ehemaligen Kolbenwerken in Ottensen und wurde deshalb ohne Strafverfahren hingerichtet. Mit der Antonia-Kozlova-Straße erinnern wir künftig direkt an dem Ort an diese mutige Frau, an der ihr uns anderen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern so großes Leid zugefügt wurde.“

Antonia-Kozlova-Straße, Bezirk Altona

Die zentrale Straße im Neubauquartier, die von der Friedensallee nach Norden abzweigt, wurde benannt nach Antonia Kozlova (1921-1943). Antonia Kozlova war eine russische Zwangsarbeiterin in den Norddeutschen Leichtmetall- und Kolbenwerken in Altona-Ottensen. Sie wurde zusammen mit vier weiteren Frauen in Hamburg ohne Strafverfahren hingerichtet, nachdem sie gegen die schlechten Lebensbedingungen der Zwangsarbeiterinnen protestiert hatte.

Lilly-Giordano-Stieg, Bezirk Altona

Eine weitere der neu errichteten Wohnstraßen, im nordöstlichen Bereich verlaufend, wurde benannt nach Lilly Sophie Giordano (1897-1980), geb. Lehmkuhl. Sie war Klavierlehrerin und Dozentin an einem Konservatorium in Altona. Im Jahr 1935 wurde sie als Jüdin aus der Reichmusikkammer ausgeschlossen und erhielt Berufsverbot. Mit ihrer Familie lebte sie in Barmbek, wo ihre Wohnung im Juli 1943 durch einen Bombenangriff zerstört wurde. Die fünfköpfige Familie zog zunächst nach Mitteldeutschland, musste allerdings im Mai 1944 wieder nach Hamburg zurückkehren. Ab August 1944 wurde Lilly Giordano zur Zwangsarbeit verpflichtet und musste unter anderem mit bloßen Händen Rattengift einfüllen und verpacken. Sie war für den Deportationstransport nach Theresienstadt am 14. Februar 1945 vorgesehen, wurde jedoch aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes davon zurückgestellt. Bis zur Befreiung Hamburgs lebte die Familie in einem Versteck. Lilly ist die Mutter des Journalisten und Schriftstellers Ralph Giordano (1923-2014), der in Hamburg ebenfalls mit einer Straße geehrt wurde.

Ebenfalls benannt wurde der in der Mitte des Neubaugebietes gelegene Quartiersplatz, der den Namen „Kolbenhof“ erhält. Die Benennung weiterer Straßen im neuen Quartier Kolbenhöfe nach Frauen ist geplant.

Sandra Borchert

Redaktion und Redaktionsleitung