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In Gedenken an die Shoah-Überlebende, Aktivistin und Musikerin Esther Bejarano Studierendenwohnanlage im Grandweg bekommt einen neuen Namen

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Die Studierendenwohnanlage des Studierendenwerks im Grandweg, in der vorwiegend Musikstudierende der HfMT leben, wird zukünftig „Studierendenwohnanlage Esther-Bejarano-Haus“ heißen. Esther Bejarano hatte das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau als Ensemblemitglied des Mädchenorchesters überlebt. In den 1960er Jahren war die leidenschaftliche Musikerin nach Deutschland zurückgekehrt. Bis zu ihrem Tod im Juli dieses Jahres in Hamburg, setzte sie sich entschlossen gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus ein. Dafür wurde sie unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Umbenennung fand in kleinem aber feierlichem Rahmen und im Beisein von Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank sowie zweier Enkel Esther Bejaranos statt.

 

Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank: „Esther Bejarano war eine bemerkenswerte und beeindruckende Frau. Sie war eine wichtige Stimme im Kampf gegen das Vergessen, gegen Antisemitismus und gegen Rechtsextremismus. Ihr Tod im Juli war ein schwerer Verlust für Hamburg. Deshalb freue ich mich, dass das Studierendenwerk Hamburg sie als Namensgeberin für die Wohnanlage in Lokstedt ausgewählt hat, um so ihr Andenken und ihre Ideale auch über ihren Tod hinaus an nachfolgende Generationen wach zu halten. Ich bin mir sicher: sie würde sich an diesem besonderen Ort mit den zahlreichen musikalischen Bewohner:innen aus der ganzen Welt wohlfühlen und würde sich daran erfreuen, wie die universelle Idee der Musik, die hier aus den Proberäumen klingt, mit Leben gefüllt wird. Ich bedanke mich herzlich bei allen, die diese schöne Idee initiiert und umgesetzt haben. Möge Esther Bejarano niemals in Vergessenheit geraten!“

 

Jürgen Allemeyer, Geschäftsführer Studierendenwerk Hamburg: „Das Studierendenwerk Hamburg setzt sich seit Langem für Demokratie, Vielfalt, Verständigung, eine Erinnerungskultur sowie gegen Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung jeglicher Art ein. Wir sind stolz, dass unsere umfassend modernisierte Wohnanlage Grandweg als Ort der Vielfalt und des Engagements für ein respektvolles Miteinander nun den Namen Esther Bejaranos tragen darf. Die Studierendenwohnanlage Esther-Bejarano-Haus ist mit 61 internationalen Studierenden von insgesamt 124 Studierenden aus über 30 Ländern und einem musikalischen Schwerpunkt in besonderem Maße geeignet, diese bedeutsame Frau unserer deutschen Geschichte zu würdigen und stets an sie zu erinnern.“

 

Prof. Elmar Lampson, Präsident Hochschule für Musik und Theater Hamburg: „Die Erinnerung an die nationalsozialistische Vergangenheit ist in der Hochschule für Musik und Theater Hamburg durch die Geschichte der Standorte tief verankert. Dass nun die Wohnanlage am Grandweg, in der so viele Studierende unserer Hochschule leben, auf Initiative des Studierendenwerks mit dem Namen Esther Bejarano verbunden wird, fügt sich auf beeindruckende Weise in diesen Zusammenhang ein. Wir werden uns durch Esther Bejarano immer an diejenigen Menschen erinnern, die den tiefen Glauben an die Kraft der Kultur – im Falle von Esther Bejanaro war es besonders die Musik – während ihres ganzen Lebens nicht verloren haben. Und dies, obwohl sie gerade im Namen der ‚deutschen Kultur‘ so Unsägliches durchlitten haben. Für Esther Bejarano, war Musik die lebenserhaltende Kraft. Für eine Hochschule für Musik und Theater wird dies das tiefste Vorbild sein.”

 

Hintergrund

Die Wohnanlage im Grandweg wurde kürzlich renoviert und im November vergangenen Jahres wieder eröffnet. Hier leben vorwiegend Musikstudierende der Hochschule für Musik und Theater. Anlässlich des Geburtstages von Esther Bejarano soll sie nun einen neuen Namen bekommen.

 

Esther Bejarano

Esther Bejarano ist am 15. Dezember 1924 in Saarlouis geboren. Als Holocaustüberlebende hat sie ihr späteres Leben dem Kampf gegen Antisemitismus gewidmet. Eine ganz wichtige Rolle spielte dabei die Musik. Denn Esther Bejarano hat das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau überlebt, weil sie im Mädchenorchester spielte. Die Pianistin, die sich in Auschwitz das Akkordeon spielen beibrachte, zog nach dem Krieg nach Israel, studierte dort Gesang und gründete eine Familie. 1960 ließ sie sich mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern Edna und Joram Bejarano schließlich in Hamburg nieder.

 

Hier trat sie der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“ bei und gründete 1986 das Auschwitz-Komitee. Sie machte ihr Leben lang Musik. Unter anderem gründete sie mit ihren Kindern die Gruppe „Coincidence“ und nahm ein Album mit der Kölner Hip-Hop-Band „Microphone Mafia“ auf, an dem ebenfalls auch ihre Kinder beteiligt waren.

 

Esther Bejarano hat unter vielen Auszeichnungen auch das große Bundesverdienstkreuz und die Ehrendenkmünze in Gold vom Hamburger Senat bekommen. Sie verstarb am 10. Juli 2021 in Hamburg.

 

 

Sandra Borchert

Redaktion und Redaktionsleitung