Regierung erhöht die jährlichen Mittel für die wichtigste jüdische Organisation um 70 Prozent

Jüdische Akademie Frankfurt vor Neubau
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Deutschland hat den jährlichen Zuschuss für den jüdischen Dachverband in Deutschland um 70 % erhöht, um die Sicherheit zu erhöhen und ein neues Zentrum für jüdisches Geistesleben zu unterstützen, das sich an einem von den Nazis geschlossenen Zentrum orientiert.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland, der staatliche Mittel an jüdische Gemeinden und Einrichtungen verteilt, erhält ab dem nächsten Jahr 22 Millionen Euro, statt 13 Millionen Euro in diesem Jahr. Der größte Teil der Erhöhung – 16 Millionen Euro – wird laut Zentralratspräsident Josef Schuster dem Betrieb der Jüdischen Akademie in Frankfurt zugute kommen. Die neue Einrichtung, welche als Nachfolgerin des 1920 von dem jüdischen Philosophen Franz Rosenzweig gegründeten Jüdischen Lehrhauses gedacht ist, wird seit mehr als einem Jahrzehnt geplant und soll 2024 eröffnet werden.

Nach ihrer Eröffnung werde die Akademie „jüdische Perspektiven auf Debatten in der Gesellschaft insgesamt“ und im jüdischen Kontext formulieren, sagte Schuster am Montag bei einer Feierstunde in Berlin, um die Vereinbarung seiner Gruppe mit der Regierung zu feiern. „Sie wird damit einen wichtigen Beitrag zur Verankerung jüdischen Denkens und jüdischer Werte in unserer Gesellschaft leisten.“

Die Bundesregierung und der Zentralrat hatten bereits im Jahr 2002 einen Vertrag geschlossen und die jüdische Organisation damit erstmals finanziell mit der katholischen und evangelischen Kirche gleichgestellt. „Der Schutz und die Unterstützung jüdischen Lebens ist ein wichtiger Teil unserer heutigen Verantwortung“, sagte die deutsche Innenministerin Nancy Faeser während der Unterzeichnungszeremonie am Montag und fügte hinzu, dass die erhöhten Mittel „die Bildungs- und Gedenkarbeit sowie die Sicherheit der jüdischen Gemeinden stärken“ würden.

In Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer wird der Zentralrat ein bundesweites Schulungsprogramm für Sicherheitspersonal in jüdischen Einrichtungen einrichten. Außerdem werden Mittel für Projekte bereitgestellt, die sich mit Antisemitismus in Schulen befassen, darunter Schulungen für Schulbuchautoren und die Überprüfung von Schulbuchmanuskripten auf antisemitische Inhalte. Der erste Regierungsvertrag, der im November 2002 mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder unterzeichnet wurde, zementierte die rechtlichen Beziehungen zwischen der deutschen Regierung und dem Zentralrat zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg.

Deutschland subventionierte den jüdischen Dachverband bereits, verdreifachte aber damals sein Engagement auf fast 3 Millionen Dollar, um die Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung zu befriedigen, die nach 1990 mit der Ankunft von Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion stark angestiegen war.  Bevor Hitler 1933 an die Macht kam, gab es etwa 500.000 Juden in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die meisten Überlebenden des Holocaust Europa in Richtung USA oder Israel verließen, gab es im ehemaligen Westdeutschland etwa 25.000 Juden, die meisten von ihnen Überlebende aus Osteuropa. Heute gibt es in Deutschland etwa 90.000 Mitglieder jüdischer Gemeinden und bis zu 100.000 weitere, die nicht dazugehören. Die große Mehrheit hat ihre Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion.

 

Foto: Von Karsten Ratzke – Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21153382