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HAFTARA: Jehoschu’a Hauptbereich 2 Teil I

Jehoschu’a, der Sohn von Nun, sandte ins Geheim von Schittim 2 Kundschafter dahin aus….Als sie in Jericho eingetroffen waren, ließen sie sich bei Rachav, einer Frau der leichten Sitten, nieder“.

 

keine Wiederholung des Scheiterns der Kundschafter

Jehoschu’a bin Nun wollte keine Wiederholung des Scheiterns der Kundschafter wie zu Zeiten von Mosche. Er gab ihnen einen sehr bestimmten Auftrag mit. Sie sollten nur Jericho und Umgebung ausspähen und nur die Empfindungen der Kana’aniter anpeilen. Jehoschu’a hatten laufend die Befürchtung, dass die Juden gesündigt hätten, wodurch sie den G“ttlichen Schutz würden verlieren können. Sollten die Kana’aniter Ängste aufweisen, wäre das ein Zeichen für Jehoschu’a, dass G“tt sie während der Eroberung beschützen würde.

 

Mose und die Kundschafter von Kanaan | © Giovanni Lanfranco

 

Töpfer oder taub

„Im Geheimen“ (cheresch) hat die gleiche Wurzel wie Töpfer oder Ziegelbrenner (cheresch) oder Taubheit und bedeutet, dass die Späher/Kundschafter sich als Töpfer oder Ziegelbrenner ausgeben sollten, um mit den Hausfrauen in Verbindung zu treten, um auf diese Weise hinter den Empfindungen der Bevölkerung zu kommen, oder sich als taub zu stellen, sodass jeder seine Geheimnisse in ihrem Beisein besprechen würde.

 

Die an der besten informierten Frau

Jehoschu’a entsandte nur zwei Kundschafter: Kalew und Pinchas. Beide waren komplett G“tt, dem Vaterland und dem Jüdischen Volk zugewandt. Die Zeit war kurz und niemand wusste von dieser Entsendung und dem damit verbundenen Auftrag, sodass öffentliches Interesse der Angelegenheit nicht schaden konnte.

Was hatten Kalew und Pinchas bei Rachaw zu suchen? Alle Edelleute oder „bessere Herren“ kamen zu ihr, um „Tee zu trinken“. Rachaw war somit die an der besten informierten Frau des Landes. Außerdem würde niemand vermuten, dass diese zwei Männer Jüdische Kundschafter seien, da jeder wusste, dass Juden sich nicht auf Unzucht einließen.

 

Hilfe beim Gijur

G“tt sandte diese zwei Tzaddikim zu ihr, um ihr bei ihrem Gijur, dem Übertritt zum Judentum, behilflich zu sein. Rachaw war nun 50 Jahre alt. Vor 40 Jahre – während ihres zehnten Lebensjahres – hatte sie bereits von der Teilung des Schilfmeeres gehört. Sie wollte schon immer Jüdisch werden, aber da sie sich nicht ihrem Umfeld entziehen konnte und keine Verbindung zu Juden hatte, war das bis zum heutigen Tage nicht gelungen. Nun ergriff sie ihre Chance.

 

Information und Zusage

Rachaw versteckte Kalew und Pinchas unter das Stroh auf dem Heuboden, als die Soldaten des Königs von Jericho bei ihr anklopften. Sie erzählte den beiden Kundschaftern von der Angst der Kana’aniter und dass sie alle Hoffnung bereits aufgegeben hatten, sicherlich nachdem sie vom Sieg über Sichon und Og gehört hatten. Aus Dankbarkeit für ihre Selbstopferung, um sie zu retten, versprachen Kalew und Pinchas der Rachaw, dass sie sie und ihre Familie bei der Eroberung von Jericho verschonen würden. Da sie sich in Todesnot befanden und dieses ihre einzige Hoffnung auf Hilfe war, durften sie eine solche Zusage im Namen des Jüdischen Volkes machen.

 

Raw Chajim Kanijevski

Ich bekam neulich von einer Frau die Frage gestellt, ob sie nach ihrem Gijur (Jüdisch-werdung) als Jüdischen Namen den Namen Rachaw würde wählen dürfen. Hierüber musste ich mal nachdenken. Rachaw bedeutet weit oder ausgedehnt, was auf ihre Nachkommen verweist, die in ihren großen, weiten Sechut (Verdienste) alle große Tzsaddikim waren.

Später befahl HaSchem Jehoschu’a, Rachaw zu heiraten. Ihre Nachkommen waren Propheten und Kohanim. Die Prophetin Chulda, die Propheten Jeremias (Jirmijahu) und Jecheskejl (Esechiel) stammten von ihr ab. HaSchem hat die Gerim gerne und nimmt die Gebete und Berachot ihrer Nachkommen als Verdienst ihrer Vorfahren entgegen, die durch ihren großen Schritt (dem Gijur) sich G“tt annäherten.

Wenn ihre Nachkommen Kohanim heiraten, segnen sie das Jüdische Volk und kümmern sich darum, dass all das Gute auf das Jüdische Volk zukommt.

Letztendlich erhielt ich die Antwort von Raw Chajim Kanijevski. Sie durfte den Namen Rachaw annehmen.

HAFTARA Teil II: Jehoschu’a Hauptbereich 2

 

Jehoshu’a befürchtete andauernd, dass die Zusage G“ttes für einen übernatürlichen Sieg sich nicht erfüllen würde, wenn die Bnej Jisraejl sündigen sollten

„Begebet Euch auf den Weg, betrachtet das Land und Jericho“. Jericho war die erste Stadt, die angegriffen würde, aber weshalb wollte Jehoschu’a so gerne wissen, was die Bewohner von Kana’an über die Bnej Jisraejl dachten? Jehoshu’a befürchtete andauernd, dass die Zusage G“ttes für einen übernatürlichen Sieg nicht erfüllt würde, wenn die Bnej Jisraejl sündigen sollten. Mosche lebte nicht mehr. Seine persönlichen Verdienste beschützten das Volk nicht mehr.

 

Jehoschu’a suchte ein Himmlisches Zeichen

Der Ort, aus dem die zwei Kundschafter Pinchas und Kalew entsandt wurden, war Schittim, wo die Bnej Jisraejl mit Moabitischen „Damen“ schwer gesündigt hatten und dem Götzen Ba’al Peor gedient hatten. Waren diese Sünden schon verziehen worden? Jehoschu’a suchte nach einem Himmlischen Zeichen und meinte, dass wenn die Bewohner von Kana’an sich vor den Bnej Jisraejl fürchten würden, dieses ein Zeichen sein würde, dass G“tt noch immer mit den Juden sei.

 

Gestärkt in seinem Auftrag

Rachaw, die Leiterin der Herberge, sprach zu Kalew und Pinchas: „Ich weiß, dass G“tt Euch dieses Land gegeben hat, und dass der Schrecken vor Euch über uns gekommen ist, und dass alle Bewohner dieses Landes vor Euch geschmolzen sind“. Jehoschu’a wusste über diese Mitteilung genügend und fühlte sich in seinem Auftrag bestärkt, Israel zu erobern.

Von wem kam die Idee, um Kundschafter aus zu senden? Nicht so sehr von Jehoschu’a, sondern von HaSchem. G“tt wollte die saubere Seele von Rachaw retten. Rachaw wollte schon sehr lange Jüdisch werden, hatte aber keine Verbindung zu den Bnej Jisraejl. Rachaw versteckte die Kundschafter unter ihrem Dach und wurde mit ihrer gesamten Familie gerettet. Sie konvertierte und heiratete später Jehoschu’a.

 

Geheimer Mission durch bewiesene Tzaddikim

War Jehoschu’a dazu berechtigt, um Pinchas und Kalew zu entsenden? Befürchtete er nicht eine Wiederholung der ersten Fehlleistung von Mosche’s Kundschaftern? Jehoschu’a ließ diese zwei große Tzaddikim, die ihre Sporen verdient hatten, Israel auf einer geheimen Mission überprüfen. Niemand wusste von ihrer Mission, da gerade der allgemeine, öffentlich gehaltene Charakter von Mosche’s Mission zum Fiasko der zwölf Kundschafter beigetragen hatte. Pinchas hatte in Schittim für die Ehre G“ttes gekämpft und Kalews Loyalität war außer Zweifel. Er war achtzig Jahre alt, als er diese Spionagemission entgegennahm.

Jehoschu’a wollte nicht wissen, wie das Land aussah, sondern versuchte dahinter zu kommen, was die Bevölkerung von Kana’an über die Bnej Israejl dachte. Außerdem war die Mission von Pinchas und Kalew kurz und begrenzt. Nur Jericho und die Umgebung sollten ausspioniert werden. Jehoschu’a hatte also volles Vertrauen, dass es dieses Mal nicht schieflaufen würde.

 

Die Kraft der Teschuwa

Rachaw wurde – zusammen mit ihrer Familie – letztendlich gerettet und sie wurde Jüdisch. Diese Haftara zeigt die Kraft von Teschuwa, von zur Einkehr zu gelangen, auf. Man kann die schlimmsten Awerot begangen haben und doch durch aufrechte Reue gerettet werden. Können wir jene Höhen erreichen? Selbstverständlich! Wenn dieses Jitro, der ursprünglich ein Götzendiener war und Rachaw, die lange Zeit eine „Sona“, also eine Dirne war, gelungen war, sollte es uns, den Nachkommen von Awraham, Jitzchak und Ja’akov, doch sicherlich gelingen?

Hatslacha rabba – viel Erfolg!

 

Author: © Oberrabbiner Raphael Evers | Raawi Jüdisches Magazin