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Nach der Tora-Krone scheint nun auch die Bornplatzynagoge ihren Weg nach Hause gefunden zu haben. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags hat die Bundesmittel für den Wiederaufbau der Synagoge in Hamburg freigegeben. 150 Millionen seien für 2021 für die Mehrkosten von Maßnahmen zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus sowie zur Stärkung des interreligiösen Dialogs bereitgestellt worden, teilte der Hamburger Bundestagsabgeordnete Rüdiger Kruse (CDU) mit.

Davon könne ausdrücklich auch der Bundesanteil am Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge finanziert werden. Dieser beträgt 65 Millionen Euro. Die gleiche Summe soll noch einmal aus dem Hamburger Haushalt kommen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Niels Annen sagte dazu: „Es ist uns gelungen, den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge im Bundeshaushalt zu verankern. Das ist ein großer Erfolg für Hamburg und das jüdische Leben in unserer Stadt.“

Die Botschaft aus dem Bundestag motiviere, jetzt noch schneller voranzukommen, freute sich Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne).

Die Synagoge am Bornplatz wurde nach einem Entwurf des Architekten Semmy Engel und dem Regierungsbaumeister Ernst Friedheim 1904 erbaut und am 13. September 1906 als größte Synagoge Nordeuropas durch den damaligen Oberrabbiner Markus Hirsch eingeweiht.

Bis zu 1200 Plätze bot diese im neoromanischen Stil erbaute Gebäude. Auch von Weitem war sie nicht zu übersehen. Mit ihren 40 Metern Höhe war sie weit sichtbar und setzte damit ein eindeutiges Zeichen für das jüdische Leben in Hamburg. Ein Höhepunkt des damaligen Gemeindelebens war ohne Zweifel die Amtseinführung des Oberrabbiners Joseph Carlebach 1936, an der über 2000 Menschen teilnahmen, darunter 200 Ehrengäste.

Zwei Jahre später wurde die Synagoge während des Novemberpogroms am 10. November 1938 stark geschändet. Dabei wurde sogar im Inneren Feuer gelegt. Am 14. Juli 1939 begann dann der Abriss der Synagoge. Der einstige Bornplatz heißt heute Joseph-Carlebach-Platz und erinnert an den Hamburger Rabbiner Joseph Carlebach (1883-1942). Auf dem Platz sind die Grundrisse der ehemaligen Synagoge zu sehen.

Rund 80 Jahre später war die Bornplatzsynagoge wieder in aller Munde.

Der Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher hatte sich vor gut einem Jahr für den Neubau der Bornplatzsynagoge ausgesprochen und stand damit nicht allein da. Auch die zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank und alle Parteien der Hamburger Bürgerschaft sprachen sich dafür aus. Der Jüdische Weltkongress (WJC) begrüßte dabei die Initiative des Wiederaufbaus der Bornplatzsynagoge sowie die Unterstützung des Vorhabens durch die Hamburger Landespolitik und deutsche Bundespolitiker.

Am 9. November 2020 startete die Kampagne „Nein zu Antisemitismus. Ja zur Bornplatzsynagoge.“ Bis zum 27. Januar 2021, dem Holocaust – Gedenktag, wollten die InitiatorInnen 100.000 UnterstützerInnen in Hamburg gewinnen, die mit ihrer Zustimmung ein Zeichen gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben in Hamburg setzen.

Nun scheint dieses Projekt in sichtbare Nähe zu rücken. Zwar stehen noch immer die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie aus, aber dennoch ist die Jüdische Gemeinde Hamburg ihrem Traum ein Stück näher gerückt. Auch für den Landesrabbiner Shlomo Bistritzky war dies ein erfreulicher Tag. In einem Video verkündete der Rabbiner, er freue sich bereits darauf, die Bornplatzsynagoge wiederzusehen.