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HAFTARA: Jesaja 54 und 55

Sowohl die Parscha als auch die Haftara preisen Tzedaka (Wohltätigkeit). “Wenn alle deine Kinder von HaSchem, G’tt, gelehrt werden, werden Ruhe und Frieden ihr Anteil sein; Tzedaka (Rechtschaffenheit und Wohltätigkeit) wird dein Fundament sein. Ihr werdet nichts mehr fürchten” (Jesaja 54:13-14).

Alles, was mit Zedaka zu tun hat, wird doppelt beschrieben, wie ‘Aser Te’aser, Naton Titen, Patuach Tiftach (den Zehnten geben, du sollst geben, geben, du sollst geben, du wirst deine Hand doppelt öffnen) usw. Deshalb wird die Belohnung auch mit doppelten Begriffen beschrieben: Barech Jevarechecha (G’tt wird dich bestimmt sicher segnen).

 

Viele Aspekte des Tzedaka sind dualer Natur: Das Geben erfolgt mit der Hand, aber das freundliche Wort – das unverzichtbar ist – wird mit dem Mund gesprochen.

So wird auch das Urteil unserer Weisen (B.T. Berachot 8b) erklärt, das besagt, dass man, bevor man zum davenen (beten) geht, “zuerst das Maß von zwei Türen (Öffnungen) abwarten” soll.

 

Öffnung der Hand und des Herzens

Rabbi Efraim Luntschitz (1550-1619) erklärt, dass dies die Grundlage für den Ratschlag ist, dass man vor dem Davenen etwas Tzedaka geben sollte. Zwei Öffnungen beziehen sich auf Patuach Tiftach – Öffnung der Hand und Öffnung des Herzens. Wenn wir Mitgefühl für unsere Mitmenschen haben, hat HaSchem (G’tt) Mitgefühl für uns. Die Wechselbeziehung zwischen den Menschen spiegelt sich in der Wechselbeziehung zwischen dem Menschen und HaSchem wider.

 

Schenken löst eine Kettenreaktion von Güte aus

Eine andere Erklärung für die doppelte Begrifflichkeit von Tzedaka ist, dass “von einem das andere kommt”. So wie eine Mitzwa eine andere hervorruft – und das gilt leider auch für das Böse in der Welt -, so ist es bei Tzedaka, dass eine Gabe eine andere hervorbringt. Haben wir es einmal geschafft, zu geben, wird es beim nächsten Mal viel leichter sein. Patuach Tiftach – gib weiter. Schenken löst eine Kettenreaktion von Güte und Positivem aus.

 

Tzedaka ist auch eine Herzenspflicht

Der Ba’al HaTurim weist auf zwei weitere Bedeutungsebenen hin. Nicht alles, was gegeben wird, kann gleicher Art und Weise sein. Man sollte auf die individuellen Unterschiede und Bedürfnisse achten – und nicht unbewusst allen das Gleiche geben, unabhängig von ihrer Situation. Auch hier steht die emotionale Verbundenheit im Vordergrund. Tzedaka ist mehr als allein nur „das Schreiben eines Schecks für einen unbekannten Zweck”. Sie ist auch eine “Herzenspflicht”.

 

Wir können auch zu ihm gehen

Außerdem müssen wir nicht nur warten, bis der arme Mensch vor unserer Tür steht. Wir können auch zu ihm gehen, wenn er sich schämt, an unsere Tür zu klopfen. Patuach Tiftach: Bringen Sie es von Ihrer Petach (Tür) zu seiner Petach, wenn es nötig ist.

 

Author: © Oberrabbiner Raphael Evers | Raawi Jüdisches Magazin