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Vatikan stellt “jüdische Akten” aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs online

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Im Vatikan hat Papst Franziskus angeordnet, dass 170 Bände mit jüdischen Hilfsgesuchen an die katholische Kirche während des Zweiten Weltkriegs online veröffentlicht werden, zwei Jahre nachdem er die physischen Kopien für Historiker zugänglich gemacht hatte.

Seine Entscheidung ist die jüngste Entwicklung in der Aufarbeitung der Hinterlassenschaft des Vatikans während des Holocausts.

Die Korrespondenz enthält 2.700 Akten, in denen jüdische Gruppen und Familien den Vatikan um Hilfe bitten, um der Deportation zu entgehen oder Angehörige aus den Konzentrationslagern zu befreien, sowohl im Vorfeld als auch während des Holocausts. Papst Pius XII., der in den wichtigsten Jahren des Krieges als Papst amtierte, wird von Historikern oft beschuldigt, jüdische Hilfsgesuche ignoriert und sich bei Hitler und Mussolini eingeschmeichelt zu haben, um den Einfluss der Kirche zu wahren.

Der Vatikan selbst hat lange Zeit darauf bestanden, dass Pius XII. dafür gefeiert werden sollte, dass er sich heimlich mit diplomatischen Mitteln für die Juden eingesetzt hat, aber diese Darstellung ändert sich, seit mehr Informationen über sein Pontifikat an die Öffentlichkeit gelangt sind. Die Kirche öffnete ihre geheimen Akten über die Archive von Pius XII. im Jahr 2020 für Historiker, aber durch die Veröffentlichung der Akten über die Juden im Internet werden sie leichter zugänglich und können von der Öffentlichkeit genauer untersucht werden.

Das neue Buch “The Pope at War” des mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Historikers David Kertzer, Sohn eines Rabbiners, stützt sich auf diese neuen Archive, um darzulegen, dass Pius die Bitten der Juden weitgehend ignorierte (während er einen geheimen Rückkanal zu Hitler unterhielt). Pius bemühte sich jedoch um die Rettung der wenigen Juden, die zum Katholizismus konvertiert waren oder aus gemischten Familien stammten – Kategorien, die nach Hitlers Rassengesetzen immer noch als “jüdisch” galten.

Paul Gallagher, der Außenminister des Vatikans, schrieb in einer Kirchenzeitung, dass die digitale Freigabe der Akten auch dazu dienen sollte, den Nachkommen von Juden, die den Vatikan um Hilfe angefleht hatten, einen Abschluss zu bieten.

Sandra Borchert

Redaktion und Redaktionsleitung