Diese Woche wird über das Salböl gesprochen, das übrigens schon früher im Gespräch war: „HaSchem sprach zu Mosche: Du nun, nimmst Du die vornehmsten Kräuter, die sauberste Myrrhe, 500 Schekel, und Kräuterzimt, nämlich halb so viel 250 Schekel, auch Kräuterkalmus, 250 Schekel; auch Kassi, 500, gemäß dem Sjekel des Heiligtums, und ein Hin Öl von Olivenbäumen; fertige daraus Öl von zur heiliger Salbung, eine Salbe, ganz künstlerisch hergestellt, gemäß der Arbeit von Kräutermischern; es wird ein Öl der heiligen Salbung sein. Damit wirst Du das Zelt der Zusammenkunft und die Heilige Lade mit dem Gesetz salben“ (Ex. 30:22 usw.)

bis sie auch tatsächlich genutzt wurde: „Anschließend nahm Mosche das Salböl und salbte den Mischkan (den Tabernakel). Danach schüttete er das Salböl auf das Haupt von Aharon und salbte ihn, um ihn zu heiligen“ (Wajikra/Lev. 8:10-12).

 

 Was ist das Geheimnis dieses Salböles, das eine so wichtige Rolle spielt?

Auch der Jüdische Erlöser in der Endzeit heißt nicht der „Go’ejl“ (der Befreier), sondern der Maschi’ach, der Gesalbte. Das ursprüngliche Salböl von Mosche würde während eines langen Zeitraumes mit gehen.

Wenn der Wiederaufbau des dritten Tempels erfolgen wird, werden wir dasselbe Öl verwenden, das Mosche bei der Einweihung des Tabernakels und bei der Einführung von Aharon gefertigt hat.

Es war nur ein Wenig Öl, dass Mosche gefertigt hatte. Es ging jedoch sehr lange mit und schien unerschöpflich zu sein. Weshalb hatte G“tt Mosche beauftragt, um nur zwölf Loch (5 Liter) zu fertigen? Konnte ER ihn nicht mehr Salböl anfertigen lassen, so dass man dieses bis in fortgeschrittene Zeiten hätte verwenden können?

 

Nein, es ging um die Qualität und nicht um die Quantität

Öl sorgt dafür, dass die Umwandlung oder Übertragung gut verläuft. Öl holt heraus, was sich drin befindet und bringt es geschmiert nach draußen.

 

 Öl sorgt dafür, dass alles funktioniert

Die Kohanim und der Mischkan wurden durch das Salböl nicht geheiligt. Das Salböl zeigte nur auf, dass die Priester und die Gegenstände des Heiligtums die Kedduscha (Heiligkeit) besaßen. Deshalb genügte eine minimale Menge Salböl hierzu.

Es sieht ein wenig aus wie das Anzünden der einen Kerze durch eine andere. Die Berührung des nächsten Dochtes erfolgt nur flüchtig. Das Brennpotential jeder anschließenden Kerze tritt durch die erste „Anzünd“-Kerze nach draußen und wird „entfacht“. Dasselbe gilt für das Salböl.

Das Salböl bringt die gespeicherte Charaktereigenschaft nur nach draußen. Diese Kedduscha hatte G“tt schon in die Gene mit eingebracht. Auch die Kinder der Kohanim und Könige (die auch gesalbt wurden) hatten eine erblich bedingte Befähigung zur Priesterschaft oder zur Königwerdung.

Das Salböl lehrt uns, dass die Kedduscha nicht „eingetrichtert“ werden kann. Sie sollte sich schon drin befinden und kann durch Inspiration erweckt und nach draußen gefördert werden.

Aber wenn sie sich schon mal in den elterlichen Genen befindet, wandert sie weiter zur nachfolgenden Generation.

 

Aufopferungsbereitschaft für die Gemeinde

Wir lesen über die Opferungen, die wir heute als Spenden bezeichnen. Opfer erbringen bedeutet Aufopferungsbereitschaft für die Gemeinde, für andere Menschen.

 

Weiheprozedur der Kohanim

Bei der Weiheprozedur der Kohanim (Priester) musste Mosche etwas von den Opferungen am rechten Ohr, an der rechten Hand und am rechten Fuß der Kohanim anbringen. Mit dem Ohr nimmt man die Wahrheit in sich auf und man lernt weise Lehren. Das Ohr ist der Eingang des Herzens und der Seele.

Wenn das Ohr geweiht wird, bezeugt man damit, dass es nur für erhabene Zwecke verwendet werden sollte.

Die Hand symbolisiert Tatkraft. Auch die Hand sollte gesteigert werden, um Tzeddaka (Wohltätigkeit) zu leisten und gerecht zu handeln.

Die Heiligung des Fußes dient zum Schluss dazu, um auf dem geraden und gerechten Weg zu gehen (zu verbleiben). So wird der Mensch selbst zu einem wandelnden Heiligtum hier auf Erden. Darum handelt es sich im Judentum…

Author: © Oberrabbiner Raphael Evers | Raawi Jüdisches Magazin

Foto:  Samuel salbt David zum König. © Fresko, Synagoge von Dura Europos, Nationalmuseum Damaskus