Lesezeit: 3 Minuten

Mit Kunst, Kultur und Lebensgeschichten wird Opfern des Holocaust im November gedacht

Eine Woche vor Beginn der Gedenkveranstaltungen der Novemberpogrome haben Landerabbiner Shlomo Bistritzky und Özlem Nas vom SCHURA-Rat Islamischer Gemeinschaften auf einem multimedialen Stadtrundgang der Opfer der NS-Gewaltherrschaft gedacht. „Faces for the Names“ heißt das Projekt, das mit Lichtinstallationen und Projektionen an die Menschen, Geschichten, Lebenswege und ihre Schicksale erinnert. Die Kampagne wurde 2020 von J.E.W.S. – Jews Engaged With Society e. V. ins Leben gerufen und widmet sich dem Gedenken an die Opfer des Holocaust. Nun hat „Demokratie Leben!“ das Projekt für Hamburg weiterentwickelt. Begleitet von Lichtinstallationen, der Kunstaktion „Lebenslinien – Der rote Faden des Gedenkens“ und verschiedenen Kulturbeiträgen findet am Abend die erste Stadtteilführung in St. Georg statt. Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank unterstützt das Projekt und bedankt sich bei den Initiator:innen für ihr Engagement.

Katharina Fegebank, Gleichstellungssenatorin: „Wir können nicht die Geschichte ändern, aber den Umgang mit ihr. Erinnern und Gedenken sind sehr wichtig für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und für unser Verständnis von Verantwortung für die Verbrechen der Nationalsozialisten und für die Hinterbliebenen der Opfer der Shoah. Mir ist es aber auch wichtig, dass das jüdische Leben hier in Hamburg und überall nicht nur aus der Vergangenheitsperspektive, sondern besonders auch mit dem Ausblick in die Zukunft betrachtet wird. Die Stadtteilrundgänge von ,Faces for the names‘ sind eine kreative Art, Menschen zum Nachdenken über die Geschichte anzuregen und ich freue mich sehr, dass das Projekt auch in unserer Stadt umgesetzt wird. Viel zu selbstverständlich laufen wir heute an Gedenktafeln vorbei. Diese Stadtteilrundgänge öffnen uns die Augen, schaffen Bewusstsein und Demut, bringen Menschen aller Altersstufen und Kulturkreise zusammen und bringen den Teilnehmenden interaktiv die Geschichte ein Stückchen näher. Eine wirklich gelungene Idee, für die ich mich herzlich bei den Initiator:innen bedanke.“

 

Landesrabbiner Shlomo Bistritzky: „Durch den multimedialen Einsatz kriegt die Geschichte Gesichter. Es verliert diese Anonymität. Und schafft vielleicht sogar Identifikation?! In der heutigen Zeit, in der es immer weniger Menschen gibt, die diese Geschichte aus ihren eigenen Erfahrungen erzählen können, versuchen wir gemeinsam der neuen Generation auf diesem Wege die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen.“

 

Özlem Nas, SCHURA – Rat der Islamischer Gemeinschaften in Hamburg e. V.: „Wir wollen durch das Erinnern sichtbar machen und Verantwortung übernehmen, um eine solidarische und freie Gesellschaft zu stärken und rassistischer Gewalt gemeinsam Einhalt zu gebieten.“

 

Hédi Bouden, Projektleitung „Faces for the Names“: „Das Projekt ermöglicht vor allem jungen Menschen Mut für die Zukunft, durch den Blick in die Vergangenheit.“

 

Katty Nöllenburg, Demokratie leben! Hamburg-Mitte: „Hier in St. Georg engagieren sich Juden, Muslime, Christen und Säkulare zusammen, damit alle Menschen sich in Hamburg sicher und zuhause fühlen können.“

 

Hintergrund

„Faces for the names“ macht die Opfer des Holocaust zu mehr als nur Namen. Das Projekt zeigt ihre Gesichter mit Hilfe von Lichtinstallationen an Fassaden und lehrt uns ihre Lebensgeschichte. So wird die Geschichte deutlich greifbarer und weniger abstrakt. Nach Vorbild-Projekten in Prag und Washington hat der Verein J.E.W.S. Jews Engaged With Society e. V. das Projekt 2020 erstmals in München umgesetzt. Seitdem findet es regelmäßig in verschiedenen Städten Deutschlands statt. Vorstandsvorsitzender des Vereins und Initiator des deutschen Projekts ist Terry Swartzberg.

 

Mitarbeit

Das Projekt läuft in Hamburg unter der Leitung von Hédi Bouden, Kulturbeauftragter und Lehrer am Helmut-Schmidt-Gymnasium. Außerdem sind „Demokratie leben! Hamburg Mitte“, „Zeichen setzen Wilhelmsburg“, „Mümmel Leben!“, „Vielfalt St. Georg-Borgfelde“, „Viel Theater um uns!“ und die Klosterschule beteiligt.

 

Weitere Termine

St. Georg: 7. November 2021, 18 bis 19.30 Uhr, Beginn am Gymnasium Klosterschule, Westphalensweg 7, 20099 Hamburg.

 

Wilhelmsburg: 9. November 2021, 17.00 bis 19.00 Uhr, Beginn am Stübenplatz, 21107 Hamburg.

Bei diesem Termin wird eine Performance-Aktion auf dem Stübenplatz stattfinden und musikalische Mahnwachen werden anschließend an allen Stolpersteinen in Wilhelmsburg abgehalten.