„Die Bildschriftkundigen taten auch so mit ihren Zauberkünsten, aber die Läuse vertreiben, das konnten sie nicht, also blieben die Läuse auf Menschen und Tiere“ (Schmot/Ex. 8:14).

 

Ich übersetzte soeben „aber die Läuse vertreiben“. Aber im Hebräischen Text steht „lehotsi et hakinim“. Laut Raschi bedeutet das, dass Pharao’s Zauberer die Läuse nicht erschaffen konnten, wie Mosche und Aharon das gemacht hatten. Raschi (1040-1105. Troyes, Worms) musste hier eingreifen, da ein Missverstand drohte: „lehotsi et hakinim“ bedeutet eigentlich, „um die Läuse zu entfernen“. Aber laut Raschi kann das hier nicht gemeint sein.

die Magier versuchten, die Wunder nach zu machen

Wenn wir die ersten zwei Plagen betrachten, sehen wir, dass die Magier und Bildschriftkundigen vom Pharao versuchten, soviel wie möglich die Wunder von Mosche und Aharon nach zu machen. Sie wollten hiermit andeuten, dass der G“tt von Israel nicht sehr mächtig sei (chas weschalom). Raschi’s Erklärung findet sicherlich im Text des Passuk (Satzes) selbst Unterstützung, da der Satz mit den Worten „Die Bildschriftkundigen taten auch so mit ihren Zauberkünsten“ anfängt. Dieses bedeutet, dass sie – genau wie Mosche und Aharon die Plagen geschaffen hatten – auch diese Wunder zu schaffen versuchten.

 

Die Zauberer gerade versuchten, die Läuse zu entfernen

Raw Awigdor Bonchek zitiert jedoch den Malbim, (Meir Leibusch ben Jechiel Michael Weiser, 1809-1879 Ukraine) der meint, dass der richtige pschat (Erklärung) sei, dass die ägyptischen Zauberer gerade versuchten, die Läuse von den Menschen und von den Tieren zu entfernen.

Sie sahen, dass der Pharao ihren Tricks, um Frösche zu schaffen, nicht sehr viel Interesse widmete (siehe 8:3-4). Sie leiteten hieraus ab, dass der Pharao mehr am Verschwinden der Plage Interesse hatte, als dass noch mehr Plagen entstehen sollten. Anstelle der Imitation gingen sie nun zur Gegenaktion über.

 

Malbim findet am Ende des Passuk „also blieben die Läuse auf Menschen und Tiere“ Unterstützung für seine Erklärung. Pharao’s Zauberer versuchten die Läuse zu entfernen, jedoch „blieben die Läuse auf Mensch und Tier“. Wenn „lehotsi et hakinim“ „Läuse machen“ bedeutet, wie Raschi das erklärt, dann ist das Ende des Passuk gerade eine Bestätigung ihrer Macht, Läuse her zu stellen!

 

Pharao’s Eigeninteresse

Die Magier am Hof ahmten die Plagen vom Blut und von den Fröschen nach und der Pharao sah hierin einen Beweis, dass HaSchem nicht übermächtig sei. Aber bei der Plage mit den Läusen gelang das nicht mehr. Sie konnten nur die wahrnehmbare Natur beeinflussen, aber die Läuse waren zu klein. Somit mussten Pharao’s Zauberer fest stellen, dass es der Finger G“ttes war, der die Plagen schuf. Bei denen war die Botschaft aus Schmot/Ex. 7:17 (So spricht HaSchem (G’tt): Du sollst erkennen, dass ich der E.wiger bin: Mit dem Stab in meiner Hand verwandele ich das Wasser im Nil in Blut) klar vernommen worden.

Aber der Pharao wollte die Allmacht G“ttes noch nicht anerkennen. Wenn die Wahrheit im Konflikt mit dem eigenen Interesse steht, ist der Mensch im Stande, sich selbst zu belügen und das war der Fall mit dem Pharao.

Obwohl es die Ägypter im Grunde genommen nicht sehr interessierte, welchem G“tt sie dienen würden, bedeutete das für den Pharao eine Menge. Das würde seine Position als selbst erklärten Gott immerhin auf den Kopf stellen. Deshalb hielt er es so lange durch, die Wahrheit nicht an zu erkennen.

 

Author: © Oberrabbiner Raphael Evers | Raawi Jüdisches Magazin